Der amtierende Weltmeister Lando Norris war zu Gast im F1 Beyond the Grid Podcast und nahm dort kein Blatt vor den Mund. Er erzählte wie es sich für ihn anfühlte endlich den Weltmeistertitel zu gewinnen und welche Ambitionen er mit McLaren hat.
Die globale Sensation: Lando Norris
Der McLarenfahrer hatte eigentlich von Beginn an eine große Fangemeinde. Über die Jahre kamen immer mehr dazu und seitdem er den Weltmeistertitel gewonnen hatte, wurde er quasi über Nacht zur globalen Sensation.
„Ich glaube, man gewöhnt sich irgendwie ganz natürlich – ganz natürlich und unterbewusst – daran. Aber ich weiß nicht … Ich habe das Gefühl, man betrachtet es immer eher von außen: man sieht die Größe, die Wirkung der Person, die man gerade anschaut“, meinte der 26-Jährige.
Für ihn persönlich macht sich seine wachsende Bekanntheit anders bemerkbar:
Ich merke, dass ich in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werde – ich habe mehr Fans und Unterstützer. Es taucht auch hin und wieder mehr über mich im Internet auf, und das Privatleben wird ein Stück weit mehr in Mitleidenschaft gezogen. Das ist mir durchaus bewusst. […] Ich gewöhne mich daran, aber ich finde es trotzdem noch seltsam.
Was der Landostand für ihn bedeutet
In 2025 arbeitete Norris zum ersten Mal mit Silverstone zusammen und errichtete dort für seine Fans eine eigene Tribüne für sein Heimrennen. So wurde Stowe zum Landostand und war innerhalb von 30 Minuten restlos ausverkauft. Im diesen Jahr wurde der Grandstand beinahe verdoppelt, so groß war die Nachfrage. Für Norris ein unglaubliches Gefühl.
Das ist ein ganz besonderes Gefühl – mehr noch, als einfach nur zu wissen, dass man berühmt ist oder so etwas.
Man fragt sich: Warum sind da so viele Menschen, die mich anfeuern? Und genau das ist das Coolste daran.
Der Landostand in 2025 | © Moy / XPB ImagesAuf die Frage, ob er seiner Tribüne und seinen Fans einen Besuch abstatten werde, war seine Antwort deutlich: „Natürlich. Sie sind mein Team. Sie sind meine Fans, ich möchte, dass sie eine gute Zeit haben.“
Endlich Weltmeister, doch „was mach ich jetzt?“
Nach sechs Jahren in der Formel 1 erfüllte Lando Norris den Traum eines jeden Rennfahrers. Er gewann den Weltmeistertitel. Für einen kurzen Moment stellte er sich die Frage „Was mach ich jetzt? Was kommt als Nächstes?“, gab er zu.
Ich habe mir definitiv Gedanken darüber gemacht, was das jetzt bedeutet. Denn es ist schon seltsam, wenn man sein ganzes Leben lang für eine Sache kämpft. Von dem Moment an, als ich fünf, sechs, sieben Jahre alt war, bis ich 26 war. 20 Jahre lang habe ich eigentlich nur auf dieses eine Ziel hingearbeitet – und dann ist es geschafft.
Norris bei der FIA Awards Gala mit der WM-Trophäe | © Frederic Le Floc’hIn einem Interview meinte Norris mal, er würde „den Rosberg machen“, sobald er einen WM-Titel gewinnt und dann aufhören. Mittlerweile sieht er das anders. „Nein“, lachte er, „Ich liebe das, was ich mache. Und ich möchte mehr als einen Titel. Ich glaube, ich kann mehr als nur einen Titel gewinnen.“
Erfolg macht süchtig
Für ihn käme es überhaupt nicht mehr in Frage, nach einem gewonnen Titel quasi in Rente zu gehen. „Ich glaube, es gibt Dinge im Leben, sobald man einmal dieses Gefühl erlebt hat, sie zu tun, will man einfach mehr davon. Und Erfolg macht definitiv süchtig, er ist wie eine Droge“, erklärte der Weltmeister.
Er meinte, es sei bestimmt auch einer der Gründe wieso Fernando Alonso und Lewis Hamilton trotz ihres Alters noch immer in der Formel 1 aktiv seien. Das Gefühl kennt kein Alter und geht nie vorbei. Er selbst, sagte Norris, sehe sich mit über 40 Jahren aktuell jedoch nicht mehr in der Formel 1.
McLaren für immer
Lando Norris ist der aktuell der Fahrer mit den meisten Rennen für McLaren. Für ihn ist der Rennstall aus Woking einfach sein Team. Seine zweite Familie. Er wuchs im wahrsten Sinne des Wortes mit ihnen auf. Mit den Jahren kamen Angebote von anderen Teams, doch er blieb der Papaya-Familie treu. „Mein Vertrag läuft noch einige Jahre, daher weiß ich, dass ich so schnell nicht gehen werde“, klärte er auf.
Ich bin fest entschlossen, dass McLaren das einzige Team ist, für das ich jemals fahren möchte. Sie sind für mich wie eine Familie. Ich möchte so viel wie möglich mit McLaren erreichen – und das so lange wie nur irgendwie möglich, sei es fünf oder zehn Jahre. Ich bin sehr stolz und glücklich, dass ich das sagen kann – mehr als fast alle anderen Fahrer in der Geschichte der Formel 1. Mein Ziel ist es also, für immer bei McLaren zu bleiben.
Norris mit seinen Mechanikern nach Abu Dhabi 25 | © Price / XPB ImagesNorris über die Ungarn-Kontroverse 2024
Das Rennen in Ungarn sorgte 2024 für einige Kontroversen. Norris führte zeitweise das Rennen an und ließ Teamkollege Oscar Piastri nach angeordnetem Funkspruch durch. Piastri gewann damit seinen ersten Formel 1 Grand Prix.
Das entfachte viele hitzige Diskussionen. Viele behaupteten, Norris hätte Piastri nicht durchlassen sollen. „Damit hätte ich wahrscheinlich wirklich nicht für den Rest meines Lebens leben können“, machte Norris deutlich.
Hätte er Piastri nicht durchgelassen, wäre das Team niemals so erfolgreich gewesen und er hätte den Titel nicht gewinnen können. Für ihn ist es wichtig, dass er sich mit seinem Teamkollegen gut versteht.
Das Team wäre nicht dasselbe wie heute. Wir hätten wahrscheinlich in den letzten beiden Jahren nicht die Konstrukteurswertung gewonnen. Was wahrscheinlich bedeutet, dass wir auch die Fahrerweltmeisterschaft nicht gewonnen hätten. Ich hätte letztes Jahr nicht die Fahrerweltmeisterschaft gewonnen.
Nach dem harten WM-Kampf gratulierte Piastri Teamkollege Norris zum Titel | © Batchelor / XPB Images„Ich kann jetzt glücklich sterben“: Norris über den Weltmeistertitel
Endlich Weltmeister zu sein hat eine große Last von seinen Schultern geworfen. Nun sei er entspannter und habe mehr Selbstbewusstsein.
„Ich fühle mich entspannter, weil ich 20 Jahre darauf hingearbeitet habe, eine bestimmte Sache zu erreichen – und ich habe sie erreicht. Ich kann jetzt glücklich sterben“, sagte der Brite.
Mein ganzes Leben hat auf diesen einen Moment hingeführt, und ich bin einfach sehr, sehr froh, dass es mir gelungen ist. Ich bin stolz auf mich, dass ich das geschafft habe – gemeinsam mit all den Menschen um mich herum.
Die Entspannung, die der Weltmeistertitel mit sich bringt, mache ihn auch selbstsicherer. Das Wissen, dass er seinen Traum erreicht hat, sei eine große Stütze für ihn, an die er sich immer wieder lehnen kann. Letztes Jahr fehlte ihm genau so etwas.
Norris ging schon immer offen mit dem Thema der mentalen Gesundheit um. Er machte kein Geheimnis daraus, wenn er sich mental nicht gut fühlte und suchte sich aktiv Hilfe. Nun hat er „eine eigene Trophäe, auf die [er] sich stützt“.
Was kommt als nächstes?
Norris absolvierte bereits 2018 das 24-Stunden-Rennen in Daytona. Er gab zu, dass er nicht abgeneigt sei, bei Le Mans oder am Nürburgring an den Start zu gehen. Des Weiteren verriet er, dass er bereits mit Zak Brown über die Möglichkeit gesprochen habe, McLarens Hypercar, das 2027 bei der WEC und Le Mans antritt, zu fahren.
Natürlich würde ich das liebend gerne mit McLaren machen. Das wäre definitiv eine Option. Aber mein Fokus wird noch für lange Zeit auf der Formel 1 liegen. Ich weiß nicht, ob das in den nächsten drei oder fünf Jahren der Fall sein wird – da werde ich mehr wissen. Aber es wäre eine ziemlich tolle Geschichte, angesichts meiner Verbundenheit mit McLaren, vielleicht bleibe ich ja für immer hier. Auch Le Mans mit McLaren zu bestreiten, wäre einfach wunderbar.
Eine Teilnahme bei Indycar schließt Norris zunächst aus. Auch wenn das bedeutet, er könne nicht die Triple Crown für McLaren gewinnen. Die Triple Crown wäre ein Sieg in Le Mans, ein Sieg in Monaco der F1 und ein Sieg des Indy500.
Noch bleibt Lando Norris der Formel 1 eine Weile erhalten. Sein neuer großer Traum laut nämlich nun: Seinen Namen zweimal hintereinander auf der Weltmeistertrophäe zu haben.




































