Die Verletzung von Isack Hadjar sorgt für ein Kuriosum, das man nicht allzu oft in der Formel 1 sieht. Liam Lawson übernimmt seinen Sitz bei Red Bull.
Und auch Yuki Tsunoda darf plötzlich wieder ein Formel-1-Rennen bestreiten und nimmt Lawsons Platz bei den Racing Bulls ein. Die Situation ist nicht einfach. Doch sie ist vor allem eins – eine Chance.
Lawson ist schon umgezogen. © Batchelor / XPB ImagesSprint-Wochenende und Sommerpause zur Unzeit
Die wohl schlechteste Nachricht für Lawson und Tsunoda ist ein Sprint-Wochenende direkt nach der Sommerpause. So etwas hilft sowieso keinem Fahrer, wieder in den optimalen Rhythmus zu kommen.
Doch bei beiden Fahrern kommt die spezielle Situation dazu. Während Lawson sich plötzlich auf ein anderes Team einstellen muss, muss Tsunoda am Freitag direkt zeigen, dass er mit dem neuen Reglement unter Druck zurechtkommt.
Eine echte Mammutaufgabe, die beide Fahrer zu bewältigen haben. Vor allem beim Neuseeländer kommt die Frage dazu, wie der Red Bull überhaupt funktionieren wird. Während die Racing Bulls scheinbar mit jedem Streckenlayout zurechtkommen, hat das Auto der großen Schwester immer wieder Probleme.
Die kann Lawson natürlich nicht gebrauchen, wenn er auf sich aufmerksam machen will. Im vergangenen Jahr scheiterte er krachend bei Red Bull – wird der Druck mal wieder zu groß?
Liam Lawson kehrt in Zandvoort kurzzeitig zu Red Bull zurück. © Moy / XPB ImagesLawson jetzt mental stabiler
Man kann es sich zurzeit kaum vorstellen. Denn der Formel-1-Star wirkt so gelöst wie noch nie. Konstant liefert er Top-Leistungen und kann in dieser Saison sogar den jungen, aufstrebenden Arvid Lindblad im Zaum halten. Auch hat er eine gewisse Führungsrolle im Team übernommen.
Natürlich ist der Druck da, wenn man plötzlich wieder für das Team fährt, bei dem man gescheitert ist, doch bei der 2026er-Version von Liam Lawson kann man sich durchaus vorstellen, dass er eher Vorfreude spürt. Denn das Red-Bull-Cockpit wird er sowieso nicht zurückbekommen.
Und die sollte er auch einfach haben. Denn Druck kann er gerade kaum gebrauchen. Und das liegt vor allem an Nikola Tsolov. Der Youngster sorgt in der Formel 2 für Furore und klopft an der Formel-1-Tür an.
Und auch wenn Liam Lawson Leistung bringt, weiß man nicht, wie lange man den Tsolov-Zug noch aufhalten kann. Denn in der Vergangenheit zeigten Red Bull und das Schwesterteam immer wieder, dass man am Ende oft lieber auf die Jugend setzt.
Der Racing-Bulls-Star muss so stark fahren, dass man ihn gar nicht ersetzen will. Und der Interims-Sitz bei Red Bull kann am Ende auch über seinen Platz in der Formel 1 entscheiden. Denn jetzt schauen alle noch einmal genau hin.
Yuki Tsunoda kann sich in Zandvoort beweisen. © Price / XPB ImagesBringt sich Tsunoda für Haas in Stellung?
Und dann ist da noch Yuki Tsunoda. Wenn man ehrlich ist, kann er am kommenden Wochenende machen, was er will – bei den Racing Bulls wird er kein festes Cockpit bekommen.
Allerdings kann der Japaner vor allem ein Bewerbungsschreiben für ein Team abgeben – und das ist Haas. Zwar gibt es dort mit Doohan, Camara und Fornaroli mehrere junge Kandidaten, die der Rennstall testen will, doch die Toyota-Connection könnte Tsunoda interessant machen.
Denn, am Ende des Tages, kann man Fahrer testen, so oft man will. Wenn sie unter Wettbewerbsbedingungen in der Formel 1 funktionieren, dann schlägt das jede Simulator- oder Testfahrt.
Sollte Tsunoda in die Punkte fahren, dann könnte er sich in Stellung bringen, um den schwächelnden Esteban Ocon so richtig unter Druck zu setzen. Für den Japaner könnte es die letzte Chance sein, um in der Formel 1 Fuß zu fassen. Zuletzt stand er auch schon vor einem Absprung in die Indycar-Serie.
Hadjar muss sich keine Sorgen machen. © Moy / XPB ImagesHadjar hat Cockpit weiterhin sicher
Isack Hadjar wird am Ende, egal, wie dumm seine Verletzung auch ist, seinen Platz weiterhin sicher haben. Viel zu stark und konstant waren seine Leistungen in dieser Saison.
Nicht umsonst wird er von vielen Seiten als bester Teamkollege von Max Verstappen bei Red Bull bezeichnet. Vom Rennstall wäre es jedenfalls nicht schlau, jetzt an ihm zu zweifeln.
Doch sein Genesungsverlauf könnte dafür sorgen, dass Lawson und Tsunoda vielleicht sogar noch die ein oder andere Chance mehr kriegen. Der Franzose hat zumindest dafür gesorgt, dass ein bisschen mehr Würze auf den Fahrermarkt kommen könnte.


































