„Schwanzlutscher“, „Stirb Norris“, „Deine Mutter ist eine Hure“. Dies ist nur ein Bruchteil der über 70 Tausend Hasskommentare von argentinischen Fans unter Lando Norris‘ Instagram-Beitrag. Tendenzen sind noch immer steigend. Der ehemalige Formel 1-Pilot Marc Surer findet scharfe Worte für solche Beleidigungen.
Ob Norris und Colapinto noch so miteinander lachen können? | © Bearne / XPB ImagesNorris teilte nach Crash gegen Colapinto aus
Franco Colapinto verbremste sich nach dem Neustart in Baku in krachte dabei in seinen Teamkollegen Pierre Gasly. Dieser nahm dabei den unbeteiligten Lando Norris mit. Alle drei Fahrer schieden aus dem Rennen aus.
Norris, nach dem Aus sichtlich frustriert, machte seinem Ärger vor den Medien Luft. Er betonte, dass er die Bilder des Unfalls noch nicht gesehen habe. Trotzdem forderte er für einen solchen Fahrerfehler eine harte Strafe der FIA, am besten einen Rennbann. Außerdem sagte er, dass so jemand – in dem Falle Franco Colapinto – keinen Platz in der Formel 1 verdient habe. Harte Worte, die sich im Netz wie ein Lauffeuer verbreiten. Binnen Minuten stürmen argentinische Fans die Kommentarspalte von Norris‘ Instagramprofil. Über 70 Tausend Drohungen, homophobe Beleidigungen, Hass gegen ihn und seine Familie sammeln sich unter dem aktuellsten Beitrag.
Bei Race Control, der Champ1-Expertenanalyse, machte der ehemalige Formel 1-Pilot Marc Surer deutlich, was er von solchem fanatischen Verhalten hält. Er ist sich sicher: Social Media begünstigt dieses Verhalten nur.
Dieser Unfall war der Auslöser | © IMAGO / PsnewZSurer: Das ist das primitive Volk
„Das sind Reaktionen, primitive Reaktionen, die einfach jetzt durch die Social Media einfach so einfach sind“, sagte Surer. Gerade in Argentinien sei man schon fast hyperfixiert auf ihre Sportler und man klammere sich umso mehr an „ihren Star“. Jede Kritik nimmt man dort als persönliche Beleidigung auf. Und somit feuerten sie im Sekundentakt Hass gegen Norris ab. „Das ist das primitive Volk, ja, der Pöbel. Und das hat man heute“, kritisierte der ehemalige Formel 1-Fahrer das Verhalten der argentinischen Fans.
Auch der argentinische Außenminister mischte sich auf X mit einem sarkastischen Beitrag ein. Er merkte an, dass Norris für Kanada 2025 keine Strafe forderte, als er in seinen Teamkollegen fuhr. Faktisch richtig, Norris forderte keine Strafe, wurde aber nach FIA-Regelwerk bestraft und nahm es auf seine Kappe. Mit dem Beitrag stachelte der Politiker seine Landsleute – vielleicht unbewusst – weiter an. „Also für mich sollte ein Außenminister ja ein Diplomat sein. Und das ist er in dem Fall definitiv nicht“, kommentierte Surer dazu.
Alpine schaltet sich ein
Schon nach kürzester Zeit muss Alpine schon wieder ein Statement verfassen. Erst nach dem Rennwochenende in Madrid musste sich das Team bereits zum gleichen Thema äußern. In Madrid fiel das Team selbst und Pierre Gasly den Anfeindungen der Argentinier zum Opfer.
Diesmal veröffentlicht der Rennstall ein erneutes Statement, das sich wieder gegen Hass im Netz richte: „Als Team halten wir es für notwendig, uns noch einmal zu dem Hass und den Anfeindungen im Internet nach dem Großen Preis von Aserbaidschan zu äußern. Diese richteten sich nicht nur gegen einen unserer eigenen Fahrer, sondern auch gegen Mitglieder der Formel-1-Gemeinschaft – einschließlich der Medien – sowie gegen unsere Konkurrenten auf der Rennstrecke, die wir respektieren und bewundern und mit denen wir uns in der Königsklasse des Motorsports so gerne messen. Fehler passieren, wenn man am Limit fährt. Doch unabhängig vom Ergebnis sollte niemand Hasskommentaren oder Beschimpfungen ausgesetzt sein.“
„Die Verurteilung von Anfeindungen in den sozialen Medien richtet sich nicht gegen eine bestimmte Fangemeinde oder die Anhänger eines einzelnen Teams oder Fahrers; dieses Thema betrifft alle und sollte allen Fans des Sports bewusst sein und von ihnen klar benannt werden. Wie wir bereits in der Vergangenheit betont haben, verurteilen wir die Reaktionen einiger Fans im Internet aufs Schärfste und stehen solidarisch an der Seite der Formel 1, der FIA und der anderen Teams in dem Bestreben, dieses Verhalten zu unterbinden. Solche Vorfälle sind bei den jüngsten Rennen zur Regel geworden und dürfen nicht toleriert werden“, heißt es unter anderem in Alpines Statement.
Nach dem Wochenende in Madrid drohte Flavio Briatore bereits damit, dass er Franco Colapinto nicht mehr mit den argentinischen Medien sprechen lassen würde, sollte all die Hetze nicht aufhören. Ob dies nun der finale Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte, weiß man aktuell noch nicht.
Norris entschuldigt sich
Obwohl er zum Opfer von massivem Hass wurde, entschuldigte sich Lando Norris am Montagvormittag öffentlich in seiner Instagram-Story. Dort schrieb der amtierende Weltmeister:
Nach dem Rennen schickte ich Franco eine Nachricht, in der ich mich für meine Äußerungen entschuldigte – Dinge, die ich einfach nicht hätte sagen dürfen. Ich weiß es eigentlich besser. Die Emotionen kochten hoch, aber das ist keine Entschuldigung – es war falsch von mir. Ich habe im Laufe der Jahre selbst Fehler gemacht und weiß, dass so etwas zum Rennsport und zum Fahren am Limit einfach dazugehört.
Franco und ich haben uns ausgesprochen, sind weiterhin gute Freunde und freuen uns beide darauf, an diesem Wochenende wieder Rennen zu fahren.
Norris entschuldigt sich auf Instagram | © instagram.com/landoVon Colapinto gibt es aktuell keine öffentliche Entschuldigung bezüglich der Reaktionen seiner Fans. Zumindest im Norris-Lager hofft man jetzt, dass sich die Lage nach der Entschuldigung beruhigt und man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann: Rennen fahren.































