Der Abgang von Gianpiero Lambiase entfacht neue Debatten. Über Machtverschiebungen im Fahrerlager, ein Reglement in der Krise und die Zukunft von Max Verstappen.
Als die Nachricht vom bevorstehenden Wechsel von Gianpiero Lambiase die Runde machte, war das Echo im Fahrerlager laut. Doch im engsten Kreis um Max Verstappen blieb es bemerkenswert ruhig. „Wir wussten es schon eine Weile und wir wussten auch, wann es passieren wird“, erklärte Jos Verstappen.
Ein Satz, der mehr über interne Dynamiken verrät als jede offizielle Pressemitteilung.
Der Wechsel zu McLaren sei kein Schock, sondern eine logische Konsequenz.
„Es ist eine riesige Chance für ihn. Wir haben ihm gesagt, dass er sie mit beiden Händen ergreifen soll.“
Worte, die weniger nach Verlust klingen als nach nüchterner Anerkennung eines Karriereschritts. Und doch: Hinter dieser Gelassenheit verbirgt sich ein strukturelles Problem.
Aderlass mit Ansage: Red Bull unter Druck
Denn Lambiase ist nicht der Erste, der den Weg von Red Bull Racing in Richtung Woking einschlägt. Nach weiteren hochkarätigen Abgängen verdichtet sich das Bild eines Teams, das personell Substanz verliert, während McLaren gezielt aufrüstet.
Für Jos Verstappen ist klar:
„Es liegt jetzt an Red Bull, einen adäquaten Ersatz zu finden.“
Eine diplomatische Formulierung für eine Aufgabe, die intern weit komplexer sein dürfte. Denn Lambiase war weit mehr als ein Renningenieur – er war Vertrauter, Taktgeber, Sprachrohr.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wer ihn ersetzt. Sondern: Kann Red Bull diese Lücke überhaupt gleichwertig schließen?
Formel 1 im Identitätskonflikt
Doch die personellen Verschiebungen sind für Jos Verstappen nur ein Symptom eines größeren Problems. Seine Kritik an der aktuellen Formel 1 fällt ungewöhnlich scharf aus: „Manchmal schaue ich rein und schalte den Fernseher wieder aus. Das ist nicht mehr das, wofür die Formel 1 steht.“
Der Vorwurf: Die Königsklasse verliere ihre Seele.
„Jetzt ist es eher ein Ingenieurswettbewerb, bei dem die Fahrer keinen Unterschied mehr machen können.“
Eine Diagnose, die tief trifft – und die auch erklärt, warum alternative Serien an Reiz gewinnen.
Besonders die GT3-Szene, etwa Einsätze am Nürburgring, übt auf Max Verstappen zunehmend Faszination aus. „Es ist verrückt, dass GT3 aktuell bessere Rennen liefert als die Formel 1“, so Jos. Eine Aussage, die wie ein Weckruf an FIA und Entscheidungsträger wirkt.
Zwischen Kritik und Hoffnung
Und doch bleibt ein Rest Zuversicht. Gespräche zwischen FIA, Teams und Herstellern laufen, mögliche Anpassungen am Reglement stehen im Raum. „Sie wissen genau, was zu tun ist“, sagt Jos Verstappen – ein Satz, der zugleich Erwartung und Mahnung ist.
Auch in der Frage nach der Zukunft seines Sohnes klingt er weniger pessimistisch als noch vor wenigen Wochen:
„Ich glaube, dass er weitermacht – zumindest noch eine Weile.“
Eine vorsichtige Entwarnung also. Keine Garantie, kein Bekenntnis für die Ewigkeit. Sondern ein Zwischenstand in einer Phase des Umbruchs.
Archivbild Februar 2026: Wussten die Engsten hier schon Bescheid? | ©Moy / XPB ImagesMehr als väterliche Ratschläge
Die Aussagen von Jos Verstappen sind mehr als nur die Einschätzung eines Vaters – sie sind ein Stimmungsbild aus dem Innersten eines dominierenden Teams.
Zwischen personellen Verlusten, regulatorischer Unzufriedenheit und wachsender Konkurrenz entsteht ein Spannungsfeld, das weit über Red Bull hinausreicht.
Die Formel 1 steht an einem Scheideweg. Und die Frage bleibt: Hört sie rechtzeitig auf ihre kritischsten Stimmen?


























