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Risse im Fundament: Jos Verstappen zeichnet ein kritisches Bild von Red Bull und der Formel 1

Ein Abschied ohne Überraschung, aber mit Signalwirkung: Jos Verstappen spricht offen über den Verlust einer Schlüsselfigur bei Red Bull, übt fundamentale Kritik an der Formel 1 – und lässt dennoch Raum für Hoffnung.

©IMAGO / Michael Potts / Red Bull

Der Abgang von Gianpiero Lambiase entfacht neue Debatten. Über Machtverschiebungen im Fahrerlager, ein Reglement in der Krise und die Zukunft von Max Verstappen.

Als die Nachricht vom bevorstehenden Wechsel von Gianpiero Lambiase die Runde machte, war das Echo im Fahrerlager laut. Doch im engsten Kreis um Max Verstappen blieb es bemerkenswert ruhig. „Wir wussten es schon eine Weile und wir wussten auch, wann es passieren wird“, erklärte Jos Verstappen.

Ein Satz, der mehr über interne Dynamiken verrät als jede offizielle Pressemitteilung.

Der Wechsel zu McLaren sei kein Schock, sondern eine logische Konsequenz.

„Es ist eine riesige Chance für ihn. Wir haben ihm gesagt, dass er sie mit beiden Händen ergreifen soll.“

Worte, die weniger nach Verlust klingen als nach nüchterner Anerkennung eines Karriereschritts. Und doch: Hinter dieser Gelassenheit verbirgt sich ein strukturelles Problem.

Aderlass mit Ansage: Red Bull unter Druck

Denn Lambiase ist nicht der Erste, der den Weg von Red Bull Racing in Richtung Woking einschlägt. Nach weiteren hochkarätigen Abgängen verdichtet sich das Bild eines Teams, das personell Substanz verliert, während McLaren gezielt aufrüstet.

Für Jos Verstappen ist klar:

„Es liegt jetzt an Red Bull, einen adäquaten Ersatz zu finden.“

Eine diplomatische Formulierung für eine Aufgabe, die intern weit komplexer sein dürfte. Denn Lambiase war weit mehr als ein Renningenieur – er war Vertrauter, Taktgeber, Sprachrohr.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wer ihn ersetzt. Sondern: Kann Red Bull diese Lücke überhaupt gleichwertig schließen?

Formel 1 im Identitätskonflikt

Doch die personellen Verschiebungen sind für Jos Verstappen nur ein Symptom eines größeren Problems. Seine Kritik an der aktuellen Formel 1 fällt ungewöhnlich scharf aus: „Manchmal schaue ich rein und schalte den Fernseher wieder aus. Das ist nicht mehr das, wofür die Formel 1 steht.“

Der Vorwurf: Die Königsklasse verliere ihre Seele.

„Jetzt ist es eher ein Ingenieurswettbewerb, bei dem die Fahrer keinen Unterschied mehr machen können.“

Eine Diagnose, die tief trifft – und die auch erklärt, warum alternative Serien an Reiz gewinnen.

Besonders die GT3-Szene, etwa Einsätze am Nürburgring, übt auf Max Verstappen zunehmend Faszination aus. „Es ist verrückt, dass GT3 aktuell bessere Rennen liefert als die Formel 1“, so Jos. Eine Aussage, die wie ein Weckruf an FIA und Entscheidungsträger wirkt.

Zwischen Kritik und Hoffnung

Und doch bleibt ein Rest Zuversicht. Gespräche zwischen FIA, Teams und Herstellern laufen, mögliche Anpassungen am Reglement stehen im Raum. „Sie wissen genau, was zu tun ist“, sagt Jos Verstappen – ein Satz, der zugleich Erwartung und Mahnung ist.

Auch in der Frage nach der Zukunft seines Sohnes klingt er weniger pessimistisch als noch vor wenigen Wochen:

„Ich glaube, dass er weitermacht – zumindest noch eine Weile.“

Eine vorsichtige Entwarnung also. Keine Garantie, kein Bekenntnis für die Ewigkeit. Sondern ein Zwischenstand in einer Phase des Umbruchs.

Archivbild Februar 2026: Wussten die Engsten hier schon Bescheid? | ©Moy / XPB Images

Mehr als väterliche Ratschläge

Die Aussagen von Jos Verstappen sind mehr als nur die Einschätzung eines Vaters – sie sind ein Stimmungsbild aus dem Innersten eines dominierenden Teams.

Zwischen personellen Verlusten, regulatorischer Unzufriedenheit und wachsender Konkurrenz entsteht ein Spannungsfeld, das weit über Red Bull hinausreicht.

Die Formel 1 steht an einem Scheideweg. Und die Frage bleibt: Hört sie rechtzeitig auf ihre kritischsten Stimmen?

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Lara Wettengel
Lara Wettengel verbindet Motorsport-Leidenschaft mit psychologischer Expertise. Für sie ist die Formel 1 nicht nur ein sportlicher Wettbewerb, sondern ein Hochleistungsraum für mentale Stärke, Präzision und emotionale Kontrolle. Mit ihrem Hintergrund in Psychologie sowie Akkreditierungen im Bereich Stressmanagement und Emotionaler Intelligenz (EQ) bringt sie eine Perspektive ein, die im Motorsport oft unterschätzt wird: die mentale Dimension von Performance. Seit 2026 verstärkt sie die Redaktion von CHAMP1. Für CHAMP1.NEWS verfasst sie News-Artikel, Hintergrundberichte und Analysen zu den zentralen Themen der Formel 1. Perspektivisch bringt sie ihre Expertise zudem in Social-Media-Formate und On-Air-Einordnungen ein. Ihre besondere Stärke liegt darin, sportliche Entwicklungen auch aus psychologischer Sicht zu beleuchten – und verständlich zu machen, was im Kopf der Fahrerinnen und Fahrer über Erfolg oder Niederlage entscheiden kann. Ihr Anspruch: Motorsport in seiner ganzen Intensität auf und neben der Strecke greifbar zu machen – analytisch, fundiert und mit Blick auf die mentale Performance.
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April, 2026

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