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RACE CONTROL

„Das war alles korrekt!“ – Surer und Wittich ordnen Österreich ein: Russell-Debatte, Ferrari-Krise und FIA unter Beschuss

George Russell gewinnt in Österreich – doch seine Pole unter Gelb sorgt weiter für Diskussionen. In RACE CONTROL an diesem Montagabend ordnen Marc Surer und Niels Wittich ein, warum die Entscheidung regelkonform war, aber trotzdem einen faden Beigeschmack hinterlässt. Außerdem geht es um Antonellis verpasste Siegchance, Ferraris Rückfall nach dem Barcelona-Hoch, Red Bulls Update-Fortschritt, Cadillacs Technikprobleme und die umstrittene FIA-Reform rund um Mohammed Ben Sulayem.

©IMAGO / XPB Images / Mercedes AMG F1

George Russell gewinnt den Großen Preis von Österreich, doch gesprochen wird vor allem über das Qualifying vom Samstag. Hat Russell unter Gelb alles richtig gemacht? Hätte Ferrari gegen die Pole vorgehen können? War Antonelli zu ungestüm? Warum stürzte Ferrari nach dem Barcelona-Hoch so dramatisch ab? Und weshalb gerät die FIA mit Präsident Mohammed Ben Sulayem erneut in die Kritik?

Über all diese Themen sprechen Marc Surer und Ex-FIA-Rennleiter Niels Wittich in der neunten Ausgabe von RACE CONTROL an diesem Montag (29.06.2026). Die beiden Formel-1-Experten liefern Einblicke, erklären die Hintergründe der FIA-Regeln und ordnen die wichtigsten Ereignisse des Österreich-GP ein. 

Russells Pole sorgt weiter für Diskussionen

Der größte Aufreger des Wochenendes bleibt die Pole Position von George Russell. Während Max Verstappen im Qualifying nach einem Defekt in die Streckenbegrenzung einschlug, fuhr Russell trotz gelber Flaggen zur Bestzeit.

Für viele Fans war das nur schwer nachvollziehbar. Niels Wittich erklärte jedoch ausführlich, weshalb die Entscheidung der Rennleitung aus seiner Sicht regelkonform war. Nach seiner Einschätzung entsprach die einfache gelbe Flagge der Situation, da die Strecke nicht blockiert gewesen sei. Entscheidend seien in der Formel 1 die sogenannten Mikrosektoren, in denen Russell nachweislich Geschwindigkeit herausgenommen habe.

Auch Marc Surer räumte ein, zunächst überrascht gewesen zu sein. Nachdem die Daten ausgewertet worden seien, sei jedoch klar geworden, dass Russell tatsächlich ausreichend verlangsamt habe. Aus seiner Sicht habe der Mercedes-Pilot deshalb „absolut alles richtig gemacht“.

Gleichzeitig werfen beide Experten die Frage auf, ob die aktuellen Gelbflaggen-Regeln künftig angepasst werden sollten, um ähnliche Diskussionen zu vermeiden. 

©XPB Images

Antonelli zwischen Podium und verpasstem Sieg

Ebenfalls intensiv diskutiert wurde Kimi Antonelli. Im Qualifying brach der Mercedes-Pilot seine entscheidende Runde ab, weil er von Doppelgelb ausging. Im Rennen kämpfte er sich zwar noch auf das Podium zurück, verlor durch eine überhastete Anfangsphase aber wertvolle Zeit.

Marc Surer ist überzeugt, dass Antonelli ohne diese Fehler durchaus um den Sieg hätte kämpfen können. Der junge Italiener habe sich nach dem verpassten Qualifying zu sehr unter Druck gesetzt und in den ersten Rennrunden zu viel gewollt.

Für Niels Wittich sorgte dagegen eine andere Szene für Stirnrunzeln: Antonellis Ausritt in Kurve 1 wurde zwar notiert, anschließend aber nicht weiter verfolgt. Der ehemalige FIA-Rennleiter kritisierte, dass genau solche Situationen konsequent bewertet werden müssten, um keine problematischen Präzedenzfälle zu schaffen. 

©XPB Images

Ferrari erlebt nach Barcelona den nächsten Rückschlag

Nach Lewis Hamiltons Sieg in Barcelona waren die Erwartungen an Ferrari groß. In Spielberg folgte jedoch die Ernüchterung.

Hamilton rettete Rang fünf, Charles Leclerc fiel bis auf Platz acht zurück. Für Marc Surer sprechen mehrere Faktoren für den Leistungseinbruch: fehlender Abtrieb aufgrund der Höhenlage, hoher Reifenverschleiß und eine Strategie, die sich zu stark an Barcelona orientiert habe.

Besonders Sorgen bereitet ihm allerdings Charles Leclerc. Der Monegasse verliere zunehmend das Vertrauen in sein Auto. Für Surer ist das ein klassisches Beispiel dafür, wie schwierig es sein könne, wenn Fahrer und Fahrzeug nicht mehr harmonieren. Genau diesen Zustand habe zuvor bereits Lewis Hamilton erlebt – nun treffe es Leclerc. 

©Getty Images / Red Bull

Red Bull meldet sich zurück – reicht das für den WM-Kampf?

Trotz des Qualifying-Unfalls fuhr Max Verstappen im Rennen auf Platz zwei und brachte Red Bull das bislang beste Saisonergebnis seit Kanada.

Marc Surer sieht deutliche Fortschritte durch das neue Update-Paket, möchte aber noch mindestens ein weiteres Rennen abwarten, bevor von einer echten Trendwende gesprochen werden könne. Silverstone werde zeigen, ob Red Bull tatsächlich dauerhaft näher an Mercedes und McLaren herangerückt ist.

Auch das Duell zwischen Verstappen und Hamilton sorgte für Gesprächsstoff. Beide Experten sehen darin zwar Erinnerungen an die legendären Zweikämpfe von 2021, gleichzeitig aber auch einen entscheidenden Unterschied: Heute begegnen sich beide deutlich respektvoller als noch während ihres WM-Kampfes. 

Cadillac kämpft weiter mit massiven Technikproblemen

Während die Spitzenteams um Siege kämpfen, steckt Cadillac weiter tief in der Krise.

Sowohl Valtteri Bottas als auch Sergio Pérez schieden in Österreich mit technischen Problemen aus. Besonders die Bremsen bereiten dem neuen Formel-1-Team weiterhin große Sorgen.

Marc Surer spricht inzwischen von einer ganzen Reihe technischer Baustellen – von Bremsproblemen bis hin zu Defekten an der Fahrzeugstruktur. Für ein neues Team sei das zwar nicht ungewöhnlich, die Vielzahl der Ausfälle bereite allerdings zunehmend Sorgen.

Auch eine Regelfrage rund um Sergio Pérez wurde diskutiert. Niels Wittich erklärte, weshalb dessen Frühstart trotz Ausscheidens keine Auswirkungen auf das nächste Rennen in Silverstone haben wird und weshalb die aktuelle Regelung durchaus Fragen aufwerfe. 

©IMAGO / PsnewZ

FIA-Reform sorgt für scharfe Kritik

Zum Abschluss der Sendung stand die FIA selbst im Mittelpunkt.

Nachdem die Amtszeitbegrenzung für FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem abgeschafft wurde, wächst die Kritik an der Verbandsführung weiter.

Niels Wittich äußerte deutliche Zweifel an der Reform. Aus seiner Sicht gebe es keinen sachlichen Grund für diese Änderung. Vielmehr entstehe der Eindruck, dass damit vor allem der Machterhalt des amtierenden Präsidenten gesichert werden solle.

Marc Surer blickt etwas nüchterner auf die Entwicklung, betont aber ebenfalls, dass die Entscheidung viele Fragen aufwerfe. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass die FIA auch in früheren Jahrzehnten immer wieder von starken Persönlichkeiten geprägt gewesen sei. 

Silverstone könnte bereits die nächsten Antworten liefern

Nach einem Österreich-Wochenende voller Diskussionen richtet sich der Blick nun nach Silverstone.

Dort wird sich zeigen, ob Red Bulls Update tatsächlich den erhofften Fortschritt bringt, ob Ferrari seine Probleme in den Griff bekommt und ob George Russell seinen Aufwärtstrend vor heimischem Publikum fortsetzen kann.

Fest steht schon jetzt: Gesprächsstoff wird der Große Preis von Großbritannien erneut reichlich liefern.

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