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„Nur ein Angestellter“: Wittich spielt Red Bull Krise herunter

Max Verstappen und seinem Team wird immer wieder vorgeworfen, sie hätten Red Bull von innen heraus zerstört. Ex-Rennleiter Niels Wittich hat dazu eine andere Meinung.

© IMAGO / Michael Potts / Getty Images / Red Bull / CHAMP1

Bei Red Bull läuft es diese Saison nicht besonders berauschend. Momentan ist das Team eher aufgrund personeller Abgänge und Probleme in den Schlagzeilen zu finden. Das einzigste Erfolgsteam hat aktuell viel zu kämpfen. Und mittendrin mit dem wohl größten Unmut: Max Verstappen. Seine Zukunft bei Red Bull ist noch immer ungewiss. Doch nun folgte der nächste Hammer: Man wirft ihm und seinem Team vor, das Team von innen heraus zerstören zu wollen. Der ehemalige Rennleiter Niels Wittich hat da eine klare Meinung zu.

Sichtbarkeit hat sich verändert

Die Formel 1 wird immer sichtbarer, sei es auf Social Media oder beispielsweise durch die Netflix Sendung Drive to survive. Früher waren, laut Wittich, die Teammitglieder quasi gesichtslos, man wusste nicht wirklich ihre Namen oder wer sie überhaupt waren. Das hat sich mit der Zeit geändert. Dass bei Red Bull viele wichtige Schlüsselfiguren in kurzer Zeit gegangen sind bzw. gehen werden, ließe sich sowieso nicht verheimlichen.

Ob das jetzt wirklich eine Auswirkung auf das aktuelle Fahrzeug, auf das Teamgesehen hat, das weiß ich gar nicht. Ob eine Person alleine, ob das so einen Unterschied macht, wenn eine Person weggeht oder dazukommt zum Team. Weil die Entwicklung bei so einem Fahrzeug, das dauert ja alles seine Zeit, und auch eine Teamstruktur dauert seine Zeit bis man sie aufgebaut oder umgebaut hat.

Für Wittich ist es fragwürdig, ob eine einzelne Person die Teamstruktur so sehr verändern kann, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Schließlich dauere es eine Weile, bis ein Team gut aufeinander abgestimmt sei und gerade bei der Fahrzeugentwicklung geschehe das nicht von Heute auf Morgen.

Verstappens Unmut bei Red Bull nachvollziehbar

Für Niels Wittich ist es keine Frage, dass Verstappen aktuell nicht der Glücklichste ist: „Man kann Max schon verstehen, dass er vielleicht nicht mehr so viel List hat wie noch vor ein paar Jahre, wo er einfach jedes Rennen gewonnen oder fast jedes und einen Weltmeistertitel nach dem anderen geholt hat.“ Dennoch betonte er: „Das ist aber natürlich ein Luxusproblem, was man dann hatte. Und das ist wie bei vielen anderen Fahrern oder Teams zuvor auch.“ Verstappen ist nicht der erste Weltmeister, der Probleme mit dem aktuellen Auto hat und wird auch nicht der letzte sein. Wittich erklärte auch, dass es bei Red Bull bestimmt nicht so gut ankomme, wie das Verstappen-Team mit ihrer Meinung umgehe:

Was mit Sicherheit negativ aufstößt, ist, dass Max kein Blatt vor den Mund nimmt. Und Jos Verstappen ist auch nicht gerade bekannt dafür, dass er groß hinterm Zaun hält mit seiner Meinung. Da ist er immer ganz groß dabei.

Zu Martin Brundles Aussage, dass Team rund um Verstappen würde Red Bull von innen sabotieren, sagte Jos Verstappen nur: „Ein weiterer Idiot, der keine Ahnung hat.“

Jos Verstappen hält sich nie mit seiner Meinung zurück | © Price / XPB Images

Wittich: Man überschätzt die Macht eines Fahrers

Dass momentan viele Schlüsselfiguren Red Bull verlassen und dass der RB22 aufgrund des neuen Reglements nicht die gewohnten Erfolge einfahre, könne man als unglücklichen Zufall betiteln. Natürlich ist all das Personal, das nach und nach das Team verlässt wichtig, besonders der Renningenieur ist wichtig für Verstappen.

Wittich zog da den Vergleich zu Hamilton, der nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Peter Bonnington, nach seinem Wechsel zu Ferrari erstmals Vertrauen zu einer neuen Stimme im Ohr aufbauen musste: „Er braucht seinen Ingenieur, sieht man auch beim Lewis Hamilton, hat dann seinen Ingenieur gewechselt, als er von Mercedes weg ist. Und das war mit Sicherheit ein Riesenthema, dass er einfach dieses Vertrauen nicht mehr hatte, was er vorher mit seinem Renningenieur über Jahre aufgebaut hatte und die beiden sich einfach blind verstanden haben.“

Aber dass jetzt ein Verstappen-Team, wie das so tituliert wird, quasi Red Bull zerstört hat. Ich glaube da überschätzt man etwas die Macht eines Fahrers.

Für den ehemaligen Rennleiter ist es unwahrscheinlich, dass da ein Max oder Jos Verstappen die Finger mit im Spiel hatten, dass wichtige Schlüsselfiguren ihre Position verloren. Auch wenn ein Fahrer das Aushängeschild eines Teams sei, sei er vor allem eines: Ein Angestellter.

Wenn man es ganz schwarz und weiß betrachtet, sind es Angestellte, das sind Mitarbeiter im Team wie jeder andere.

Red Bull Teamchef Laurent Mekies mit Max VerstappenDiskutieren hier Mekies und Verstappen über den nächsten Red Bull-Rauswurf? Unwahrscheinlich, sagt Wittich | © Batchelor / XPB Images

Für Wittich wird in die ganze Verstappen-Red-Bull-Sabotage zu viel reininterpretiert. Laut ihm habe ein Fahrer nicht die Möglichkeiten um über personelle Fragen zu entscheiden und es würde ihn sehr wundern, wenn es gerade bei Red Bull so wäre, dass da die Verstappens solche Entscheidungen treffen würden.

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Laura Schanz
Laura Schanz ist seit Juni Teil des CHAMP1.NEWS-Teams. Ursprünglich kommt sie aus dem Bildungswesen, doch ihre Begeisterung für die Formel 1 entwickelte sich schnell von einem Hobby zu einer echten Leidenschaft. Heute verfolgt sie zwei klare Missionen: Zum einen möchte sie alle Strecken des aktuellen Formel-1-Kalenders persönlich besuchen — sechs davon konnte sie bereits abhaken. Zum anderen will sie mit dem hartnäckigen Vorurteil aufräumen, dass Frauen in der Formel 1 keinen Platz hätten. Für Laura ist die Königsklasse weit mehr als schnelle Autos, laute Motoren und der Geruch von verbranntem Gummi. Mit analytischem Blick begleitet sie Rennwochenenden, ordnet aktuelle F1-News und Entwicklungen ein und schreibt klare, verständliche Artikel rund um das Geschehen auf und neben der Strecke. Darüber hinaus ist sie als Social-Media-Host für CHAMP1 aktiv und gehört bei den Live-Sendungen an den Rennwochenenden neben Chantal und David zum On-Air-Team. Ihr Anspruch: die Formel 1 greifbarer, verständlicher und zugänglicher zu machen — für eingefleischte Fans genauso wie für alle, die gerade erst in diesen Sport eintauchen.
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