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„In diesem Sport gibt es keine Loyalität“: Perez packt über Aston Martin aus

Sergio Perez sorgte dafür, dass das damalige Force India nicht aus der Formel 1 verschwindet. Heute kennt man das Team als Aston Martin. Zum Dank winkte ein neuer Vertrag – allerdings nicht für Perez.

© XPB Images

In 2018 meldete Force India Insolvenz an. Eine treibende Kraft hinter diesem Prozess war unter anderem Sergio Perez. Er sorgte mitunter dafür, dass das heutige Aston Martin Formel 1 Team überhaupt existiert. Einen Platz als Fahrer war für das Team und eine Vertragsverlängerung war ihm somit sicher – dachte er zumindest.

Die große Pleite

Im High Performance Podcast sprach der Mexikaner über seine Zeit bei Red Bull und gab offen mentale Probleme Preis. Außerdem packte er darüber aus, wie er Force India vor dem sicheren Untergang bewahrte.

Erst spät wurde ihm bewusst, wie schlecht es finanziell um das Team stand. Allerdings war er nicht bewandert was rechtliche Dinge anging und dachte zunächst, es sei normal, dass es bei der Gehaltsauszahlung zu Verzögerungen käme. „Ich hatte absolut keine Ahnung von rechtlichen Angelegenheiten. Aber mir wurde Geld geschuldet. Sie hatten mein Gehalt das ganze Jahr über nicht gezahlt. Ich dachte mir also, das sei ganz normal, weißt du, dass es eben ein paar Verzögerungen gab“, erzählte Perez.

Dann teilte man ihm mit, dass ein Lieferant des Teams einen Antrag auf Insolvenz gestellt habe. Auch dieser wurde nicht bezahlt. Die Folge wäre, dass das Firma Bankrott ginge und somit hunderte Menschen ihren Job verlieren würden. Für Perez inakzeptabel.

Was bedeutet das? Ja, im Grunde können sie die Firma schließen und das ganze Team verliert seinen Job. Ich dachte nur: ‘Wow. Aber man kann das noch retten.’

Perez Plan

Zusammen mit seinem Manager überlegte sich Perez einen Plan. Am Ende entschied man sich das Team zu verklagen, denn so wurde es unter Zwangsinsolvenzverwaltung gestellt. Dadurch hatte das Team 90 Tage Zeit einen Käufer zu finden. Und den fanden sie: Lawrence Stroll.

All das regelte Perez während des normalen Rennbetriebes. „Das war verrückt, denn all das passierte im Sommer, eigentlich von Rennen zu Rennen zu Rennen. Ich erinnere mich noch, dass ich, bevor ich ins Auto stieg, ein Gespräch mit Anwälten führte, ohne überhaupt etwas davon zu verstehen“, erinnerte sich der heutige Cadillac-Pilot.

Sergio Perez bei Force IndiaDamals führte Perez Anwaltsgespräche kurz bevor ins Rennauto stieg | © IMAGO / HochZwei

Für das Team klang es zunächst ganz schlimm, dass der eigene Fahrer das Team unter Zwangsverwaltung stellte. Für den Mexikaner war das nachvollziehbar und er erklärte ihnen, wieso er das alles tat.

Wir sind ein Team. Ich mache das, weil es für alle hier das Richtige ist. Sonst werdet ihr alles verlieren, eure Jobs.

Für den Mexikaner selbst war das auch eine schwierige Zeit. Er nahm zu dem Zeitpunkt zwei verschiedene Positionen für das Team ein. „Also habe ich letztendlich versucht, sozusagen der beste Anwalt zu sein, der ich für das Team sein kann, und gleichzeitig der beste Fahrer – und versucht, beides voneinander zu trennen, wenn ich ins Auto steigen musste“, erklärte der 36-Jährige.

Es stand für ihn nie zur Debatte sein Handeln in Frage zu stellen. Ihm ist bewusst, dass all dies eigentlich gar nicht seine Aufgabe hätte sein müssen. Aber er wollte es tun. Ihm war es wichtig, sein Team zu retten. Schließlich sei man quasi eine Familie.

Doch dann kam er…

Nach der ganzen Aktion könnte man meinen, dass nachdem Stroll das Team kaufte, Perez eine sichere Zukunft dort haben würde. Schließlich war er der Grund wieso das Team überhaupt noch existierte. Danach sah es zunächst auch aus, gab er zu:

Ich hatte einen Dreijahresvertrag mit dem Team, natürlich mit Optionen. Und es sah so aus, als würde meine Zukunft bei diesem Team liegen, bei dem ich ja praktisch mein ganzes Leben lang war. Und ich hatte beim Kauf mitgeholfen und so weiter. Ich dachte also wirklich, dass ich zusammen mit Lawrence und Lance Teil dieses Projekts sein würde.

Der Mexikaner hoffte also auf eine Vertragsverlängerung. Doch die würde er nicht bekommen. Denn Sebastian Vettel war auf der Suche nach einem neuen Team. Für Lawrence Stroll eine einmalige Chance den vierfachen Weltmeister für sich zu verpflichten. Das wusste auch Perez. Dennoch hoffte er, dass man ihm die Verlängerung anbieten werde. Alleine schon aus Loyalität. Aber das Angebot bekam er nicht. Man entschied sich für Sebastian Vettel.

Und ich dachte mir: „Schau mal, in diesem Sport gibt es keine Loyalität.“

Von 2021 bis 2022 fuhr Vettel für Aston Martin | © IMAGO / NurPhoto

Persönlich nahm er diese Entscheidung allerdings nicht. Abschließend meinte er, er habe noch immer ein gutes Verhältnis zu allen Leuten bei Aston Martin.

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Laura Schanz
Laura Schanz ist seit Juni Teil des CHAMP1.NEWS-Teams. Ursprünglich kommt sie aus dem Bildungswesen, doch ihre Begeisterung für die Formel 1 entwickelte sich schnell von einem Hobby zu einer echten Leidenschaft. Heute verfolgt sie zwei klare Missionen: Zum einen möchte sie alle Strecken des aktuellen Formel-1-Kalenders persönlich besuchen — sechs davon konnte sie bereits abhaken. Zum anderen will sie mit dem hartnäckigen Vorurteil aufräumen, dass Frauen in der Formel 1 keinen Platz hätten. Für Laura ist die Königsklasse weit mehr als schnelle Autos, laute Motoren und der Geruch von verbranntem Gummi. Mit analytischem Blick begleitet sie Rennwochenenden, ordnet aktuelle F1-News und Entwicklungen ein und schreibt klare, verständliche Artikel rund um das Geschehen auf und neben der Strecke. Darüber hinaus ist sie als Social-Media-Host für CHAMP1 aktiv und gehört bei den Live-Sendungen an den Rennwochenenden neben Chantal und David zum On-Air-Team. Ihr Anspruch: die Formel 1 greifbarer, verständlicher und zugänglicher zu machen — für eingefleischte Fans genauso wie für alle, die gerade erst in diesen Sport eintauchen.
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