In den letzten Qualifying-Sessions der Formel 1 kam es immer wieder zu kuriosen Ereignissen. Während George Russell unter Gelb die Pole Position Spielberg holte, bekam Kimi Antonelli für seine Verbesserung unter Gelb eine Drei-Platz-Grid-Strafe.
Beide hatten versucht, einen Regelverstoß durch Lupfen, also vom Gas gehen, zu umgehen. Während Russell in den Mikrosektoren langsam genug war, soll Kimi Antonelli die vorgeschriebene Zeit unterschritten haben.
George Russell holte in Spielberg eine umstrittene Pole. © Bearne / XPB ImagesWittich warnt vor „Präzedenzfall“
Auch in Race Control, der Champ1-Analyse zum Rennwochenende, wurde über die Qualifying-Diskussion gesprochen. Ex-Rennleiter Niels Wittich machte zwar klar, dass man aus den genannten Gründen beide Szenarien nicht miteinander vergleichen könne, trotzdem warnte er vor einem „Präzedenzfall“.
„Das sind natürlich die Präzedenzfälle, wenn man als Fahrer oder als Ingenieur merkt: Man kann auch unter Gelb, wenn man ans Limit geht, minimal etwas verlieren, aber maximal etwas gewinnen, indem man trotzdem die Rundenzeit nicht verliert.“
Michael Masi habe damals gehandelt und zumindest eingeführt, dass die Rundenzeit unter Doppelgelb gestrichen wird. Unter einer einfachen Gelben Flagge könne man aber trotzdem noch eine schnelle Runde fahren, da man einfach nur langsamer fahren und „zum Spurwechsel bereit sein“ müsse.
„Da wird natürlich jeder Formel-1-Fahrer sagen: Na ja, Spurwechsel kann ich auch bei 280 noch sicher machen.“
Muss Rennleiter Rui Marques eingreifen? © Moy / XPB ImagesSind die Regeln das Problem?
Für Wittich seien vor allem die Regeln das ganz große Problem. Denn die lassen seiner Meinung nach zu viel Interpretationsspielraum.
„Für die Formel 1 fehlen irgendwelche harten Werte, dass man sagt: Okay, ihr müsst zum Beispiel das Tempo um 10–20 Prozent reduzieren, damit man weiß, wo man hin will mit den Fahrern.“
Beim Virtual Safety Car gebe es etwa genaue Richtwerte. Für ihn sei die Antonelli-Strafe am Ende auch „ein Problem in der Formel 1, dass die Fahrer dort nicht wissen, wie man fahren muss, sich verhalten muss, damit es richtig ist“.
Kommentatorenlegende Marc Surer stimmte seinem Kollegen zu und schlug vor, dass man sich in dem Sektor, in dem Gelb herrschen würde, einfach nicht verbessern dürfte. „Das wäre zum Beispiel ein Maßstab, den man ansetzen könnte“, so Surer.
Ob die FIA im Endeffekt wirklich etwas an diesen Regelungen ändert, ist bisher völlig unklar. Allerdings gibt es nach den letzten Qualifying-Sessions deutlich größere Diskussionen. Auch nach der Sommerpause sind Szenarien wie in Spielberg und Ungarn möglich – dann könnte man zum Handeln gezwungen sein.
































