„Das Reglement gilt zu jedem Zeitpunkt“
(Niels Wittich gegenüber CHAMP1 exklusiv)
Niels Wittich über Schummel-Gate, Motoren-Zoff und die Grenzen der Regelauslegung
Die neue Formel-1-Ära 2026 hat noch kein Rennen gesehen – doch der erste Machtkampf ist längst entbrannt.
Mercedes bei den Testfahrten in Bahrain | © IMAGO / Marco CanonieroIm Zentrum steht das sogenannte „Schummel-Gate“ rund um den Mercedes-Motor. Konkurrenten vermuten eine technische Lösung beim Verdichtungsverhältnis, die im Standtest innerhalb der erlaubten 16:1 bleibt, unter Rennbedingungen jedoch höhere Werte ermöglichen könnte.
Ferrari, Honda und Audi machen Druck. Die FIA prüft. Das Fahrerlager diskutiert.
Im exklusiven Gespräch mit CHAMP1 ordnet Ex-Rennleiter Niels Wittich die Lage ein – und wird dabei deutlich.
© CHAMP1„Das Reglement gilt zu jedem Zeitpunkt“
Wittich stellt zunächst klar, dass die 16:1-Grenze nicht nur für eine bestimmte Prüfsituation gilt:
„Das Reglement gilt zu jedem Zeitpunkt der Veranstaltung. Das heißt, kalt, warm, Hälfte Rennen, Anfang Rennen im freien Training, das muss immer eingehalten werden“
Sollte ein Motor also im heißen Fahrbetrieb über dem Grenzwert liegen, wäre das kein Interpretationsspielraum – sondern ein klarer Regelverstoß.
Gleichzeitig relativiert er die grundsätzliche Aufregung:
„Ich würde das noch nicht mal als graue Zone definieren, sondern einfach nur als alles, was machbar ist, quasi ausnutzen“
Für Wittich gehört das Austesten von Grenzen zur DNA der Formel 1.
© Formula1.comAnpassung der Messmethode? „Das ist Standard“
Im Raum steht eine kurzfristige Änderung des Prüfverfahrens – also eine Messung bei Betriebstemperatur.
Auch hier sieht Wittich keinen Ausnahmezustand:
„Diese Messmethoden, dass die angepasst werden über die Saison oder jetzt auch kurzfristig vor dem Start der Saison, glaube ich, das ist ein Standard“
Technisch sei eine Kontrolle grundsätzlich möglich. Moderne Power Units seien mit zahlreichen Sensoren ausgestattet – eine Überprüfung sei machbar.
Wo endet Innovation?
Besonders deutlich wird Wittich bei der Frage nach der Grenze zwischen cleverer Ingenieursleistung und Regelumgehung.
„Das wäre ja schon kriminelle Energie, die dahinter steckt und ich glaube nicht, dass das die Intention eines Teams oder eines Herstellers ist, da auf diese Art und Weise gewinnen zu wollen“
Ein Satz, der Raum für Interpretation lässt.
Ist es ein klares Dementi – oder eine Warnung, wie gravierend ein solcher Fall wäre?
© IMAGO / DeFodiPsychospielchen vor dem Saisonstart?
Wittich ordnet die Debatte insgesamt eher als Teil des üblichen Vorsaison-Rituals ein:
„Meines Erachtens ist das momentan einfach nur ein Gerücht, dem nachgegangen wird“
Gerade in einer Phase ohne Rennen werde vieles intensiver diskutiert, als es sportlich vielleicht gerechtfertigt sei.
© CHAMP1Das Exklusiv-Interview bei CHAMP1 als Video-Content
Ein größerer Auszug des Gesprächs mit Niels Wittich ist am Freitag (13.02.2026) im Rahmen der CHAMP1 NEWS als Einspieler zu sehen.
Die vollständige Spezial-Ausgabe erscheint am Samstag (14.02.2026) in voller Länge auf dem YouTube-Kanal sowie hier auf champ1.news kostenlos zum Abruf.
Eines steht fest:
Der erste große Kampf der Saison 2026 findet nicht nur auf der Strecke statt.





