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Stimmungsdiskrepanz, Wiederauferstehungen und die Suche nach Ausreden: Das Rennwochenende in Montreal

Das Rennwochenende in Montreal war von Stimmungsdiskrepanzen, Wiederauferstehungen und Ausreden geprägt. Auch im Mittelfeld sind Freud und Leid nah beineinander gewesen.

© IMAGO / Every Second Media

Der Große Preis von Montreal ist vorbei und sorgte für viele Schlagzeilen. Auch wenn am Ende mal wieder Kimi Antonelli ganz oben auf dem Podium stehen durfte, war das Rennwochenende alles andere als langweilig.

Der „Krieg der Sterne“ wurde angedeutet, die Reifenwahl sorgte für die ein oder andere Entscheidung und zwei alte Rivalen durften mal wieder um einen Spitzenplatz kämpfen.

Hat George Russell (l.) die WM schon aufgegeben? © IMAGO / Eibner

Zwei Welten bei Mercedes

Die bemerkenswerteste Diskrepanz, wenn es um die Stimmungslage innerhalb des Teams geht, findet sich gerade wohl bei Mercedes. Während Kimi Antonelli trotz des Drucks von Sieg zu Sieg eilt, sieht es bei George Russell ganz anders aus.

Der Brite befindet sich nach seinem bitteren Ausfall in einem Loch und hat die WM schon jetzt fast abgeschrieben, wie er am Sky-Mikro verdeutlichte.

„So, das war’s … Ich spüre eigentlich keinen Druck mehr. Ich werde einfach jedes Rennen für den Rest der Saison genießen. Gegenwärtig liegt es an ihm, den Titel noch zu verspielen. Offen gesagt, habe ich das Gefühl, dass die Götter mich in diesem Kampf nicht dabei haben wollen.“

Zuvor kämpften beide Piloten teils sehr hart gegeneinander und sorgten fast dafür, dass wir eine Wiederholung vom „Krieg der Sterne“ bekamen. Doch noch ging alles so weit gut. Doch je mehr die Stimmungsdiskrepanz im Team steigt, desto mehr steigt das Konfliktpotenzial – auch auf der Strecke. Muss Toto Wolff schon bald so richtig eingreifen?

Verstappen (l.) und Hamilton (r.) lieferten sich einen tollen Fight. © IMAGO / DeFodi Images

Hamilton und Verstappen sind glücklich – und erwachsen geworden

Lewis Hamilton und Max Verstappen konnten mit dem Rennwochenende in Montreal absolut zufrieden sein. Nachdem es im Sprint und Qualifying bei beiden Fahrern ein paar kleine Probleme gab, zeigten sie im Rennen ihre ganze Klasse. Die Wiederauferstehung der beiden Ikonen gehörte zu den Highlights des Wochenendes.

Der Zweikampf der beiden erinnerte an den legendären WM-Kampf 2021 – doch alles war ganz anders. Denn das Gift zwischen beiden Fahrern scheint verfolgen zu sein. Die Überholmanöver waren fair, es gab genug Platz, und am Ende setzte sich Hamilton durch einen starken Stint auf den Medium-Reifen durch. Beide schwärmten nach dem Rennen vom Duell.

Auch danach wirkten beide Fahrer zufrieden. Hamilton mit seinem besten Ergebnis für Ferrari, Verstappen mit dem ersten Podium der Saison. Im Cooldown-Room konnte man einen kleinen Plausch beobachten – als wäre 2021 nicht passiert. Die Mehrfachweltmeister sind reifer geworden und gönnen Wunderkind Antonelli gleichermaßen seinen Erfolg.

Andrea Stella wollte nach dem Rennen keinen Fehler zugeben. © IMAGO / HochZwei/Syndication

McLaren verteidigt Strategie in Montreal – und wird verspottet

Hamilton und Verstappen profitierten allerdings auch davon, dass zwei weitere Konkurrenten überhaupt nichts mit dem Rennausgang zu tun hatten. Oscar Piastri und Lando Norris wurden am Start mit den Intermediates auf die Strecke geschickt. Ein fataler Fehler, den Teamchef Andrea Stella bei Sky allerdings nicht so recht zugeben wollte.

„Als wir die Reifen montieren mussten – das war fünf Minuten vor Rennbeginn –, war die Strecke rutschig und es regnete. Es kam also darauf an, wann der Regen aufhörte, und er hörte erst nach diesen fünf Minuten auf. Außerdem hat die doppelte Einführungsrunde die gefährliche Situation vermieden, dass wir gestartet wären, als die Strecke definitiv noch rutschig war.“

Eine wahre Begebenheit oder doch nur eine Ausrede, um den Schaden kleinzuhalten? Toto Wolff, Lewis Hamilton und Max Verstappen amüsierten sich nach dem Rennen schon beinahe und machten ihr Unverständnis für die Entscheidung deutlich.

Doch damit nicht genug. Norris musste während seiner Aufholjagd das Auto aufgrund eines Antriebsproblems abstellen, während Piastri nach einem Crash mit Albon bestraft wurde und am Ende auf Platz elf ins Ziel kam. Eine ärgerliche Nullnummer für das Team, das eigentlich in allen vorherigen Sessions gezeigt hatte, dass man es mit den Silberpfeilen zumindest zeitweise aufnehmen konnte.

Colapinto konnte mit seinem Rennen mehr als zufrieden sein. © IMAGO / Jan Huebner

Alpine rockt das Mittelfeld – Audi auf der Suche nach der Pace

Im Mittelfeld konnten vor allem zwei Fahrer überzeugen, die in den letzten Monaten immer wieder unter Druck standen. Franco Colapinto erreichte mit Platz sechs sein bestes Karriereergebnis, während Liam Lawson auf Platz sieben eintrudelte.

Auch Gasly, Sainz und Bearman werden zufrieden sein, dass sie in die Punkte gefahren sind. Dahinter gibt es viele lange Gesichter, da aufgrund der zahlreichen Ausfälle viel drin war.

Vor allem Audi wird langsam zum Sorgenkind. Nachdem an den letzten Wochenenden vor allem die Technik versagt hatte, waren es an diesem Wochenende fehlerhafte Fahrer und fehlende Pace, die zur weiteren Nullnummer führten. Nico Hülkenberg zeigte sich bei Sky nach dem Rennen trotzdem selbstbewusst.

„Insgesamt war es ein anspruchsvolles Wochenende, bei dem es viel zu analysieren gibt. Wir werden alles sorgfältig durchgehen, die Lehren daraus ziehen und uns auf Monaco konzentrieren!“

Schlechter als für Audi lief es für die derzeit größten Sorgenkinder in der Formel 1. Esteban Ocon und Valtteri Bottas, die wohl beide um ihr Cockpit zittern müssen, kamen auf Platz 14 und 16 ins Ziel und wurden mal wieder langsamer als ihre Teamkollegen. Die Uhr tickt für beide Piloten.

Von Montreal nach Monaco: Gibt es plötzlich andere Favoriten?

Montreal zeigte mal wieder, dass Mercedes zurzeit das Maß aller Dinge ist. Doch Achtung, jetzt steht Monaco an. Eine Strecke mit einer völlig anderen Charakteristik.

Vor allem die Ferrari-Fahrer, denen langsame Kurven extrem gut liegen, rechnen sich eine Chance aus, um Mercedes endlich mal in dieser Saison vom Thron zu stoßen. Vielleicht können auch McLaren und Max Verstappen ein Wörtchen mitreden.

Zudem steht die ADUO-Entscheidung an. Welches Team darf den Motor weiterentwickeln? Und welche Upgrade-Pakete wird es in Europa geben? Im Juni geht wortwörtlich die heiße Phase der Formel 1 los – könnte das doch noch einmal alles durcheinanderwürfeln?

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David Heermann
David Heermann verbindet sportliche Leidenschaft mit journalistischem Anspruch. Bereits während seines Medienwissenschaftsstudiums stand für ihn fest, dass er seinen beruflichen Weg im Sportjournalismus gehen möchte. Die Formel 1 begleitet ihn seit seiner Kindheit – heute interessiert ihn jedoch weit mehr als das reine Renngeschehen. Strategische Entwicklungen, teaminterne Dynamiken und die Geschichten abseits der Strecke prägen seinen Blick auf die Königsklasse. Seit 2026 ist er Teil von CHAMP1. Für CHAMP1.NEWS verfasst er regelmäßig News-Artikel, Hintergrundberichte und Analysen. Darüber hinaus präsentiert er Formate auf den Social-Media-Kanälen der Plattform und ordnet in den Sendungen Qualifyings, Sprints und Rennen ein – mit Fokus auf die entscheidenden Szenen, strategischen Wendepunkte und sportlichen Entwicklungen. Sein Anspruch: komplexe Themen klar einordnen, Hintergründe verständlich aufbereiten und die wichtigsten Ereignisse aus der Welt der Formel 1 präzise und professionell vermitteln.
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