Daniel Ricciardo galt jahrelang als das strahlende Gesicht der Formel 1.
Doch nach seinem Aus bei den Racing Bulls offenbart der Australier nun Abgründe. Hinter der gewohnt fröhlichen Persönlichkeit kämpfte der mehrfache Grand-Prix-Sieger mit Traurigkeit und dem Gefühl des Scheiterns.
Daniel Ricciardo galt lange als potenzieller Weltmeister. © Charniaux / XPB ImagesRicciardo kämpfte mit sich selbst
Es war ein Abschied durch die Hintertür, der eines mehrfachen Grand-Prix-Siegers kaum würdig war. Beim GP von Singapur 2024 fuhr Daniel Ricciardo noch die schnellste Rennrunde, ehe das Team ihn mitten in der Saison durch Liam Lawson ersetzte. Ein bitteres Ende für einen Piloten, der einst als angehender Weltmeister galt. Wie tief die Spuren des Ausstiegs aus der Königsklasse sind, macht der 37-Jährige nun deutlich.
In der Königsklasse gilt seit jeher das Gesetz der Härte. Nicht nur gegen die Konkurrenz auf der Strecke, sondern vor allem gegen sich selbst, erklärte Ricciardo jetzt in der neuesten Folge des offiziellen Formel-1-Podcasts „Beyond The Grid”.
Man fängt schon in so jungen Jahren mit dem Rennsport an und entwickelt im Laufe der Jahre eine gewisse Schonungslosigkeit, die sich aber auch nach innen richtet. Man kann sehr hart mit sich selbst sein und viel von sich erwarten.
Ganz besonders die Art seines Abgangs setzte Ricciardo zu. Nachdem er bereits bei McLaren vor die Tür gesetzt worden war, sollte das Comeback bei Red Bulls Schwesterteam Racing Bulls die Rückkehr an die Spitze einleiten. Stattdessen folgte die erneute Ausmusterung. Ein Schock, den Ricciardo zunächst verdrängen wollte.
Ich glaube, meine Sichtweise war, dass ich versagte, nicht das Niveau erreichte, das ich damals gebraucht hätte, oder die Saison nicht zu Ende fahren konnte oder was auch immer. Dann entsteht ein Gefühl der Demütigung, als hätte ich versagt und nicht das geleistet, wozu ich einst fähig war. Als ich versuchte, mit den folgenden Monaten fertig zu werden, wurde mir klar, dass ich mich einfach nur vor dieser Demütigung versteckte.
2021 holte Daniel Ricciardo mit McLaren seinen einzigen Sieg außerhalb von Red Bull in Monza. © Charniaux / XPB ImagesDer Schmerz hinter dem Dauergrinsen
Nach außen hin verstellte sich der Ex-Red-Bull-Fahrer lange Zeit und mimte weiterhin den gewohnten Frohnatur-Typen. Doch in seinem Inneren sah es völlig anders aus.
Die Leute sahen mich in der Öffentlichkeit. Ich hatte Spaß und trank etwas oder was auch immer, aber eigentlich versteckte ich mich nur vor dem, was ich tief in meinem Inneren wirklich fühlte – nämlich viel Schmerz und Traurigkeit. Ich war einmal dieser Junge, der hoffte, zumindest um einen Weltmeistertitel kämpfen zu können und natürlich Rennen zu gewinnen oder was auch immer, aber jetzt ist es so: Oh, das ist vorbei.
Mittlerweile hat der Australier den Ausstieg verarbeitet und gibt zu, dass der erzwungene Schnitt womöglich nötig war, um endlich ein Leben abseits des Renncircuits aufzubauen. Dem Motorsport bleibt Ricciardo zwar als Markenbotschafter für Ford erhalten, ein Comeback in einer anderen Rennserie hat der 37-Jährige bislang jedoch nicht gewagt.































