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„Niemand sprach. Jeder konzentrierte sich auf seine Aufgabe“ – Schumis Rettungspilot spricht 12 Jahre nach dem Unglück von Méribel

„Ich wusste, dass er wie ein Gott verehrt wurde“ – 12 Jahre nach dem schweren Ski-Unfall spricht Michael Schumachers Rettungspilot Yannick Dainese erstmals über die dramatischen Szenen vom 29. Dezember 2013.

© IMAGO / ABACAPRESS / L'Équipe

Es war der 29. Dezember 2013. Ein Sonntag. Auf den Tag genau lagen 400 Tage zwischen Michael Schumachers letztem Formel 1-Rennen in Brasilien und dem Schicksalstag, der nicht nur sein Leben, das seiner Familie, sondern auch von Millionen Fans und der Königsklasse selbst, tiefgreifend veränderte.

Archivbild: Schumis letztes F1-Rennen am 25.11.2012 in Interlagos | © IMAGO / Panoramic by PsnewZ
Archivbild vom 12.01.2005 | © xpb.cc

Schumacher, damals 44 Jahre alt war, ging, wie schon so oft mit seiner Familie in den Skiurlaub. Doch der 29. Dezember 2013 sollte alles verändern. Der siebenmalige Weltmeister verunglückte an diesem Tag schwer, zog sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu, wurde zeitweise in ein künstliches Koma versetzt und setzt seither sein Genesungsprozess abseits der Öffentlichkeit fort.

Michael Schumachers Rettungspilot Yannick Dainese | © L’Équipe

Yannick Dainese ist Michael Schumachers Rettungspilot

Über 12 Jahre nach dem schrecklichen Unfall spricht Schumachers Rettungspilot Yannick Dainese und schildert die Momente, die er selbst mit „zuerst dachte ich, er macht Witze“ beschrieb. Im Interview mit der französischen Zeitung L’Équipe erzählte er über den Moment, in dem er und seine Kollegen einer der größten Sportstars das Leben retten mussten.

Archivbild vom 30.12.2013 | Mit diesem Rettungshubschrauber wurde Michael Schumacher nach Grenoble geflogen | © IMAGO / ABACAPRESS

So erzählt er, er sei als Pilot für „SAF Hélicoptères“ im Einsatz gewesen. Am Tag, als Schumacher schwer verunglückte, kam der Notruf aus dem beliebten Skigebiet Méribel. Darin hieß es, es gebe eine verletzte Person, die schnellstmöglich ins Krankenhaus müsse.

Die Rettungskräfte im Einsatz, der Helikopter steht bereit | © Bulls Press/The Sun

„Wir holen Schumacher“

Als ein Rettungssanitäter zusammen mit Dainese aus dem Hubschrauber sprang, hörte er zum ersten Mal um wen es sich genau handeln würde. Man sagte ihm „Wir holen Schumacher!“. Dann kam der Moment, wo er nicht glauben konnte, dass es sich wirklich um Michael Schumacher handeln könnte. Doch als der Einsatzleiter befahl „unsere Mikrofone und GoPro-Kameras abzuschalten und Journalisten zu verbieten, uns zu begleiten“, verstand er, dass es kein Witz gewesen sei. Ihm wurde das Ausmaß der Katastrophe bewusst.

In seinen weiteren Schilderungen erinnerte er sich, wie letztlich die gesamte Piste abgesperrt wurde und das vor Ort nur ganz wenige Menschen waren, darunter eben auch das Rettungspersonal.

Der Moment, als es darum ging, Schumacher zu bergen, beschrieb der Rettungspilot so:

Niemand sprach. Jeder konzentrierte sich ausschließlich auf seine Aufgabe.

„Für mich war er einfach nur ein weiterer schwer verletzter Mensch“

25 Minuten dauerte der Rettungsflug ins französische Grenoble. Während des Fluges herrschte eine gespenstische Stille, während die Ärzte Michael Schumachers Zustand überwachten. So schildert es Yannick Dainese.

Das ganze Ausmaß des schweren Unfalls, erahnten weder er, noch seine Kollegen.

Die Formel 1 habe er damals nicht verfolgt, erzählte er weiter. Doch er wusste, wen er da als Rettungspilot transportierte.

Unbewusst war der Druck da, weil ich wusste, dass er wie ein Gott verehrt wurde.

Er sah in Michael Schumacher aber nicht einer der größten Formel 1-Stars oder einen siebenmaligen Rekordweltmeister, sondern für Dainese war er „einfach nur ein weiterer schwer verletzter Mensch.“

Die Nachricht, das Michael Schumacher sich bei einem Skiausflug schwer verletzt habe, verbreitete sich in windeseile. Reporter auf der ganzen Welt reisten nach Grenoble und berichteten von vor Ort. Auch waren abertausende Fans des ehemaligen Ferrari- und Mercedes-Stars rund um das Krankenhaus versammelt, hofften und bangten um ihren Helden.

Archivbild vom 30.12.2013 | Fans aus aller Welt bangten um ihren Schumi vor Ort | © IMAGO / ABACAPRESS

Als Dainese ein paar Tage später wieder am Krankenhaus in Grenoble war, um eine andere verletzte Person zu transportieren, sah er „so viele Busse, rote Fahnen und Menschen überall“.

Er beschreibt diese Szenen aus seiner Erinnerung so:

Es war unglaublich.

Es galt die Privatsphäre der Familie Schumacher zu respektieren

Doch warum spricht Dainese erst weit über 12 Jahre nach dem schweren Unfall dazu in der Öffentlichkeit? Er wollte die Privatsphäre der Familie Schumacher respektieren.

Klar ist, auch wenn der schwere Skiunfall bereits über 12 Jahre zurückliegt, diese Bilder sind bis heute unvergessen. Und für Millionen Fans ist und bleibt Michael Schumacher ihr größter Held. Der Mann, der sie Rennsonntag für Rennsonntag zu begeistern wusste und insgesamt sieben Weltmeisterschaften mit Benetton und Ferrari einfuhr.

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Timo Chris Heuberger
Timo Chris Heuberger ist Gründer von CHAMP1, Chefredakteur, Journalist und Moderator. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung von CHAMP1 NEWS und steht für eine Formel-1-Berichterstattung, die Nachrichten nicht nur meldet, sondern einordnet: aktuell, unabhängig und relevant. Mit seinem Hintergrund aus dem professionellen Fernseh- und Medienumfeld verbindet Heuberger Tempo mit Präzision und Analyse mit Haltung. In seinen Formaten und Interviews spricht er mit Experten, Fahrerinnen und Fahrern, Teamverantwortlichen und Entscheidern aus dem Motorsport direkt, kritisch und auf Augenhöhe. [Geschäftliche Anfragen außerhalb von CHAMP1: business@timoheuberger.de]
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