F1TV-Experte Lawrence Barretto besuchte Liam Lawson ganz privat. Der Neuseeländer erzählte, wen er für seine Chance eines F1-Sitzes verärgerte und warum er ihn überhaupt bekam. In Off the Grid plauderte er aus dem Nähkästchen.
Der Weg in die F1
Seit 2019 ist Liam Lawson Mitglied der Red Bull Familie. Das Junior Programm sollte ihm einen klareren Weg in die Formel 1 ebnen. Red Bull unterstützte ihn seine gesamte Single-Seater-Karriere, bis hin zur japanischen Super Formula in 2023. Lawson kämpfte dort um den Titel, doch nach einem heftigen Crash stellte er plötzlich alles in Frage. Seine Zukunft in der Formel 1 sah er deutlich gefährdet.
Es war wahrscheinlich das erste Mal überhaupt, dass ich tatsächlich kleine Zweifel daran hatte, in die Formel 1 zu kommen.
„Das Jahr ging zu Ende und ich hörte nicht viel. Zum ersten Mal dachte ich tatsächlich, dass das hier vielleicht nicht passieren würde – und so hatte ich mich noch nie gefühlt“, gab er zu.
Dann flog er nach Zandvoort. Dort verlangte er nach einem Treffen mit Helmut Marko. Der damalige Red Bull Motorsport Berater hatte großen Einfluss darauf, wer eine Beförderung in die Formel 1 bekam und wer nicht.
„Ich habe beschlossen, mich einfach mit Helmut zusammenzusetzen und ihn zu drängen, im Grunde herauszufinden, was er denkt.“ Lawson wollte sein Schicksal somit selbst in die Hand nehmen.
Zunächst abgewimmelt…
„Ich ging am Freitagmorgen in Zandvoort [vor dem ersten Training] in sein Büro und sagte: ‘Warum gibst du mir nicht einfach eine Chance? Du hast das ganze Geld in mich investiert. Was ist der Sinn? Ich nehme seit fünf Jahren an dem Programm teil.’“ Lawson wollte Antworten. Und vor allem die Chance, es in der F1 zu beweisen.
Es kam zu dem Punkt, an dem er, glaube ich, ein bisschen sauer wurde, weil er mich im Grunde einfach abgewimmelt hatte.
„Ich ging aus dem Meeting und sprach mit meinem Coach, der auch da war. ‘Das sieht nicht gut aus‘ meinte ich zu ihm“, blickte Lawson auf das Gespräch zurück. Man wollte ihm die Chance nicht geben. Das stand fest.
Liam Lawson mit Helmut Marko | © IMAGO / eu-imagesIst das Lawsons Chance?
Wenige Stunden nachdem Liam Lawson enttäuscht Markos Büro verließ, erlitt Daniel Ricciardo einen Unfall. Er verletzte seine Hand und schied damit für dieses Rennen und die kommenden vier aus. Das könnte Lawsons Chance sein, sofern Helmut Marko es abnickte.
An das Gespräch erinnerte sich der Neuseeländer noch gut. „Es war nie die Frage ‘Wird Liam im Auto sitzen?‘“, erzählte er. „Sondern eher ‘Wen können wir sonst holen, der potentiell Erfahrung hat und das Auto gefahren ist?’“ Damit war klar: Erste Wahl war Lawson damit nicht.
Also bin ich einfach zu Helmut gegangen. Ich kam in sein Büro, er guckte mich an und fragte ‘Bist du bereit?’. Ich sagte nur ‘Yep’. Das war das gesamte Gespräch.
Nach Ricciardos Genesung musste Lawson den Sitz wieder freimachen – obwohl er sich nicht schlecht geschlagen hatte. Der Neuseeländer musste zurück auf die Ersatzbank, doch hinter den Kulissen blieb er nicht ruhig sitzen. Immer wieder suchte er das Gespräch mit Helmut Marko und Christian Horner. Immer wieder stellte er die selbe Frage: „Wann gebt ihr mir eine Chance?“
Von der Ersatzbank zurück ins Auto
In Austin entschied man sich bei den Racing Bulls – damals noch Alpha Tauri –, sich von Daniel Ricciardo zu trennen. Für Lawson bedeutete das: Einen Sitz zumindest bis zum Ende der Saison. Was es auch bedeutete: Wenn er den Sitz annimmt, würde das das sichere Ende Ricciardos Formel 1-Karriere bedeuten.
Lawson ergriff seine Chance | © Rew / XPB ImagesJedoch bereut er es nicht, diese Chance ergriffen zu haben. In der Formel 1 muss man rigoros für sich selbst kämpfen. „Ich habe es nie getan, weil so blöd wie es ist, aber wir kämpfen alle um diese Sitze“, reflektierte Lawson. „Daran ist nichts Persönliches. Aber wenn du um deine Karriere kämpfst, geht es einfach um alles und du kannst nichts davor schieben.“

































