Kimi Antonelli führt aktuell die Fahrerwertung der Weltmeisterschaft an. Nun verkündete man bei Mercedes das Kernprinzip des Teams – gefallen wird es Antonelli vermutlich nicht.
Mit 219 Punkten führt der junge Italiener die WM an. Der Abstand auf Platz 2 beträgt 50 Punkte, sein Teamkollege George Russell auf Platz 3 hat 59 Punkte weniger als er. Damit sollte er als klarer Favorit im Team für die Weltmeisterschaft gelten – sollte man zumindest meinen. Denn die Chefetage des Teams sieht das anders.
Bereits nach dem Rennen in Belgien verriet Teamchef Toto Wolff in einer Medienrunde, dass man bei Mercedes kein Interesse habe die Reihenfolge der Autos zu beeinflussen. Zur Halbzeit-Review baute Vize-Teamchef Bradley Lord das Thema weiter aus.
Das Team feiert das 1-2 in Shanghai | © Mercedes F1 Team / Sam BloxhamMercedes verfolgt klare Devise
Der Vize-Teamchef betonte, dass es im Team ein ganz klares Prinzip gibt und das sei sogar ziemlich einfach:
Wenn ein Mercedes das Rennen gewinnen kann, muss ein Mercedes das Rennen gewinnen, und das ist das Wichtigste.
„Das Team steht an erster Stelle und die Konstrukteursmeisterschaft ist das Hauptaugenmerk und Hauptziel des Teams“, führte er das Ziel weiter aus.
Mit dem Sieg des ersten Rennens der Saison, startete Russell zunächst als Favorit. Jedoch wurde er schnell von Antonelli und dessen fünf Siegen in Folge abgelöst. Nichtsdestotrotz machte Lord deutlich, dass erst die Hälfte der Saison um sei. Es sei noch viel zu früh um überhaupt einen Gedanken an eine Teamorder zu verschwenden.
Vergleichend kann man den gleichen Zeitpunkt der letzten Saison anbringen. Oscar Piastri hatte einen Vorsprung von 34 Punkten auf Teamkollege Lando Norris. Auf Max Verstappen war der Abstand mit 104 Punkten noch höher. Am Ende verlor Piastri seine Führung und fiel sogar auf Platz 3 zurück. Alles ist also möglich. Das unterstrich auch Lord: „Wir haben erlebt, wie der Kampf um die Meisterschaft hin und her schwankte – bis zu dem Punkt, an dem bereits festzustehen schien, wer der einzige mögliche Sieger sein würde; doch dann, im Verlauf von nur drei Rennen, hat sich das Blatt ebenso radikal in die entgegengesetzte Richtung gewendet.“
Wir sind auf halber Strecke und es ist viel zu früh, um überhaupt darüber nachzudenken. Wir konzentrieren uns nicht auf das „Was wäre wenn?“-Szenario.
Russell und Antonelli sollen im Team die gleichen Chancen bekommen | © Moy / XPB ImagesZuverlässigkeitsprobleme stören den Plan
Bei Mercedes verfolgt man das Ziel, beide Weltmeisterschaften zu gewinnen. Doch die Zuverlässigkeit des Autos macht dem Team da zwischendurch einen Strich durch die Rechnung. Das weiß auch Vize-Teamchef Bradley Lord: „Wir wollen unbedingt beide Meisterschaften gewinnen, und die besten Chancen darauf haben wir, wenn wir so oft wie möglich beide Autos auf den bestmöglichen Plätzen ins Ziel bringen – genau das ist uns in dieser Saison bei keinem einzigen Rennen gelungen.“
Beide Autos hatten in dieser Saison mit technischen Problemen zu kämpfen. George Russell schien davon häufiger betroffen gewesen zu sein.
„Darauf liegt also der Fokus: die Autos zuverlässig und schnell zu machen und den Fahrern dann zu ermöglichen, ihre bestmögliche Chance auf den Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft zu nutzen“, unterstrich Lord.
Doch das Hauptziel der Silberpfeile bleibt bestehen:
Wenn ein Mercedes gewinnen kann, muss ein Mercedes gewinnen. Es ist uns egal, welches der beiden Autos es ist, und wir werden alles tun, was wir tun müssen, um sicherzustellen, dass das schnellste dieser Autos an einem Sonntag das schaffen kann. Das ist für uns die Priorität.
Damit ist das Ziel deutlich: Solange ein Mercedes auf dem obersten Podestplatz steht, ist es egal ob es sich dabei um Russell oder Antonelli handelt. Die Frage bleibt jedoch, wie lange es egal bleibt und ob es wirklich zu keiner Teamorder kommen wird.

































