Ein ereignisreicher Sprint in Kanada liegt hinter uns. Das große Gesprächsthema am Ende des Sprints ist aber nicht der Sieg, sondern das, was sich zwischen George Russell und Kimi Antonelli auf der Strecke abgespielt hat.
Keine großen Überraschungen beim Start
Bereits vor dem Erlöschen der Ampeln fehlten einige Autos in der Startaufstellung: Lance Stroll, Oliver Bearman, Pierre Gasly und Valtteri Bottas mussten aus der Boxengasse starten. Der eigentliche Start lief für alle Beteiligten sauber ab. Russell kam gut von der Pole-Position weg, Antonelli erlebte einen vergleichsweisen guten Start und an der Front musste lediglich Oscar Piastri einen Platz gegen Lewis Hamilton einbüßen.
Im Mittelfeld verlief die Startphase ebenfalls nahezu reibungslos. Dennoch trat das bekannte Audi-Problem ein: Sowohl für Nico Hülkenberg als auch für Gabriel Bortoleto ging es wieder einige Plätze rückwärts. Zudem wurde gegen Lance Stroll wegen eines Verstoßes beim Start aus der Boxengasse ermittelt – es folgte allerdings keine Strafe für den Kanadier.
Russell kämpft an der Spitze – Antonelli verliert die Nerven
Schon kurz nach dem Start machte sich bemerkbar, das Kimi Antonelli der schnellere Mercedes-Pilot war. Bereits in der ersten Runde konnte der WM-Leader Druck auf seinen Teamkollegen aufbauen, schaffte es aber noch nicht an ihm vorbei. In Runde sechs hielten die Zuschauer dann kurz den Atem an: Antonelli und Russell berührten sich. Russell ließ Antonelli wenig Platz, woraufhin der Italiener einen Ausritt über das Gras machen musste.
Nur wenige Kurven später folgte der Höhepunkt des teaminternen Streits: Antonelli versuchte Russell erneut zu überholen, bremste zu spät und musste wieder von der Strecke. Dadurch verlor er P2 an Lando Norris und musste sich hinter dem McLaren wieder einreihen.
Direkt darauf folgten einige erboste Funksprüche von Antonelli. Er sah Russell im Unrecht und forderte eine Strafe für ihn. Sein Renningenieur Peter Bonnington versuchte ihn zu beruhigen – allerdings ohne Erfolg. Der junge Italiener ließ seinem Frust so lange freien Lauf, bis sich Teamchef Toto Wolff persönlich meldete und Antonelli klarmachte, er habe sich auf das Rennen zu konzentrieren und nicht auf das Meckern am Funk.
Danach beruhigte sich die Situation ein wenig, der Frust von Antonelli blieb dennoch spürbar. Während Norris versuchte, an Russell vorbeizukommen, schlich sich Antonelli wieder heran und sorgte für einen Dreikampf an der Spitze. In der vorletzten Runde packte den Italiener jedoch erneut der Überwille: Er schob sich übermütig an Norris vorbei, bekam die Kurve nicht, musste erneut über das Gras und gab die Position direkt wieder an Norris ab.
In dieser Konstellation ging es für die Top Drei dann auch über die Ziellinie: Russell gewann den Sprint knapp vor Lando Norris und Kimi Antonelli. Auf dem Papier war Antonelli zwar der schnellere Fahrer, er verbaute sich den Sieg jedoch durch eigene Fehler. Auch nach dem Rennen tobte der Italiener am Funk und wurde von Wolff erneut zurecht gewiesen.
In einem Interview von Sky äußerte sich der Mercedes-Teamchef zu dem Vorfall: „Es war gutes Kino, ein gutes Rennen und eine gute Lerngeschichte. […] Wir haben gelernt, wie wir es machen wollen – oder eben auch nicht machen wollen, um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden.“ Wolff fügte hinzu, dass Antonelli nicht erwarten dürfe, dass andere Fahrer ihm die Tür aufmachen, wenn er sich so verhalte.
Fest steht: Bei Mercedes wird es im Laufe des Tages noch das ein oder andere Gespräch geben müssen, um die Wogen zwischen den Teamkollegen wieder zu glätten.
Hamilton sorgt für Fragezeichen
Hinter den Top Drei blieb das Feld im Verlauf des gesamten Sprints weitgehend beständig. Lewis Hamilton befand sich nach dem Start auf dem vierten Platz und musste sich über lange Strecken gegen Oscar Piastri verteidigen, konnte seine Position aber zunächst halten.
Bei der Zieldurchfahrt ploppten dann jedoch bei vielen Zuschauern die Fragezeichen auf: Hamilton kam lediglich auf P6 ins Ziel, und im ersten Moment wusste niemand, wie das passiert war.
Es stellte sich heraus: In Runde 21 stand Piastri kurz vor einem Überholmanöver gegen Hamilton. Dieser leistete sich daraufhin einen Fehler und nahm den Notausgang. Er scherte sich wieder vor Piastri wieder ein und fuhr weiter. Da Hamilton abgekürzt hatte, hätte er die Position eigentlich sofort an den McLaren abgeben müssen. Das tat er jedoch nicht. Erst kurz vor der letzen Schikane am Sprintende ließ er Piastri vorbei, versuchte sich diesen aber so zurechtzulegen, dass er sofort kontern konnte. Das gelang ihm jedoch nicht. Hamilton verlor in der letzten Kurve Schwung und wurde auf der Start-Ziel-Geraden auch noch von seinem Teamkollegen Charles Leclerc überholt und kam so nur als Sechster ins Ziel.
Verstappen und Lindblad ebenfalls in den Punkten
Für die Red Bull-Familie dürfte es ein bittersüßer Sprint gewesen sein. Max Verstappen fuhr ein einsames Rennen auf P7 und brachte zwei Punkte nach Hause. Kurzzeitig drohte ihm eine Strafe wegen des Missachten einer gelben Flagge, kam aber ohne Strafe davon.
Auf Platz acht dann aber eine kleine Überraschung: Rookie Arvid Lindblad schaffte es mit einer alternativen Reifenstrategie in die Punkte und sicherte sich den letzten Zähler. Im Gegensatz zu der Mehrheit des Feldes, die auf Mediums setzte, startete er auf den harten Reifen. Die Strategie zahlte sich aus, er konnte seine Position halten. Ein bisschen Glück spielte allerdings auch eine Rolle: Isack Hadjar, der von P8 gestartet war, meldete in Runde 5 Motorenprobleme und wurde bis an das Ende des Felds durchgereicht. In Runde 10 steuerte er die Box an, fuhr noch einmal kurz raus, bevor dann nach Runde 12 endgültig Schluss war.
Lindbald profitierte von Hadjars Ausfall. | ©IMAGO / DeFodi ImagesAuch Fernando Alonso musste den Sprint vorzeitig beenden. In Runde 17 kam er an die Box und stellte sein Auto ab. Gründe für das vorzeitige Aus gab das Team bisher nicht bekannt.
Harte Strafen für Hülkenberg und Pérez
Nachdem der Start für den Deutschen Nico Hülkenberg schon nicht optimal verlaufen war, wuchs das Elend im weiteren Rennverlauf. Hülkenberg wurde vorgeworfen, in Kurve 13 abgekürzt und sich somit einen unfairen Vorteil verschafft zu haben. Die Stewards belegten ihm daraufhin mit einer 10-Sekunden-Strafe – damit war das Rennen für ihn einmal mehr gelaufen.
Kein guter Start in den Tag für Nico Hülkenberg. | ©Bearne / XPB ImagesFür Pérez wurde es nach dem Sprint nochmal richtig bitter: Mit seiner Zieleinfahrt auf P12 hätte der Mexikaner zufrieden sein können. Das wäre für das junge Cadillac-Team das beste Ergebnis der bisherigen Saison gewesen. Aber noch während des Rennens untersuchten die Stewards einen Vorfall mit Liam Lawson. Pérez soll Lawson von der Strecke gedrückt haben. Rund eine Stunde nach dem Rennen sprachen die Stewards dann die Strafe aus: 10 Sekunden für Pérez. Damit fiel er auf P14 zurück.
| Fahrer | Team | Zeit | Abstand |
|---|---|---|---|
| George Russel | Mercedes | 28:50.951 | |
| Lando Norris | McLaren | 28:52.223 | +1.272 |
| Kimi Antonelli | Mercedes | 28:52.794 | +1.843 |
| Oscar Piastri | McLaren | 29:00.748 | +9.797 |
| Charles Leclerc | Ferrari | 29:00.880 | +9.929 |
| Lewis Hamilton | Ferrari | 29:01.496 | +10.545 |
| Max Verstappen | Red Bull | 29:06.886 | +15.935 |
| Arvid Lindblad | Racing Bulls | 29:20.661 | +29.710 |
| Franco Colapinto | Alpine | 29:22.572 | +31.621 |
| Carlos Sainz | Williams | 29:27.744 | +36.793 |
| Liam Lawson | Racing Bulls | 29:52.295 | +1:01.344 |
| Gabriel Bortoleto | Audi | 29:52.765 | +1:01.814 |
| Esteban Ocon | Haas | 29:55.160 | +1:04.209 |
| Sergio Pérez | Cadillac | 30:01.353 | +1:10.402 |
| Nico Hülkenberg | Audi | 30:03.109 | +1:12.158 |
| Lance Stroll | Aston Martin | 29:04.078 | +1 Runde |
| Valtteri Bottas | Cadillac | 29:08.812 | +1 Runde |
| Oliver Bearman | Haas | 29:14.797 | +1 Runde |
| Alexander Albon | Williams | 29:44.444 | +1 Runde |
| Pierre Gasly | Alpine | 29:59.428 | +1 Runde |
| Isack Hadjar | Red Bull | 29:09.086 | +3 Runden |
| Fernando Alonso | Aston Martin | – | – |




































