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„Wie früher mit dem Fiat 500“: Surer und Wittich ziehen über Batterie-Farce in Spa her

Die lange Strecke in Spa zeigte deutlich: Eine Batterieladung reichte nicht für eine Runde. Marc Surer und Niels Wittich finden harte Worte für das Energiemanagement der heutigen Formel 1.

©XPB Images / Wikipedia / CHAMP1

Beim Großen Preis von Belgien sorgte unter anderem das Energie- und Batteriemanagement für große Diskussionen. Eigentlich lebt die Traditionsrennstrecke Spa von ihren Vollgaspassagen. Doch in diesem Jahr wurde aus Vollgas eher Batterie laden. Der ehemalige Formel 1-Pilot Marc Surer und Ex-Rennleiter Niels Wittich rechneten in Race Control, der Champ1-Expertenanalyse, mit dem aktuellen Energiemanagement ab.

Schon vor dem Wochenende war klar, dass eine komplette Batterieleistung kaum für eine komplette Runde reichen wurde. Beim Start des Rennens war das beste Beispiel dafür George Russell. Ihm ging durch die Eau Rouge im wahrsten Sinne des Wortes der Saft aus, bevor er schließlich mit Hamilton kollidierte und das Rennen in Runde eins im Kiesbett beendete. Der größte Kritiker diesen Jahres, Max Verstappen, wollte seine Meinung schon gar nicht mehr groß kundtun. Er meinte nur, er könne er auch gleich zu Hause bleiben, ändern würde sich trotzdem nichts. Insgesamt sei diese Form des Sports nicht das, was er eigentlich an der Formel 1 liebt.

Surer zieht den Vergleich zu seiner Formel 1-Zeit

Marc Surer erinnerte sich zu seiner Formel 1 Zeit in Spa zurück. Er bezeichnete Spa-Francorchamps als eine Mutstrecke. Für ihn hat sich die Charakteristik der Strecke aufgrund des Energiemanagements völlig verändert. „Pouhon, ist so eine Kurve, die man so zu meiner Zeit in der Formel 1 fast voll fahren konnte. Fast. Dieses Wochenende ging sie locker voll […] weil keine Elektropower mehr da war, konnten sie die locker mit Vollgas fahren“, erklärte Surer.

„Also auch dann die Mutkurve Blanchimont, das war bei uns immer so eins, die war fast noch schlimmer als Eau Rouge, weil man da nicht ums Eck gesehen hat und dann einfach blind da eingelenkt hat und versucht hat, mit 300 durch diese Kurve zu zukommen“, erinnerte sich der ehemalige Formel 1 Fahrer zurück.

Dieses Jahr haben sie vor der Kurve zurückgeschaltet, weil sie keine Leistung mehr hatten. Also ja, diese tolle Mutstrecke ist zu einer Batterieladestrecke geworden.

Wittich: „DNA der Formel 1 genommen“

Der ehemalige FIA-Rennleiter Niels Wittich hat eine ganz ähnliche Meinung wie Marc Surer. „Es nimmt ein bisschen meines Erachtens die DNA der Formel 1 weg“, fasste er seine Ansicht kurz zusammen. Wittich erklärte, die letzten Jahre war es gerade in Spa, der Fahrer „der das letzte Quäntchen ausgemacht hat.“ Heute wäre das nicht mehr so.

Gerade wie Marc gesagt hat, in Blanchimont ist eine der, glaube ich, schwierigsten Kurven, die es zu fahren gibt, mit der ganzen Leistung, die es sonst gab. Und jetzt ist es halt einfach künstlich zurückgerufen.

Für ihn rutscht das eigentliche Können des Fahrers in den Hintergrund, weil schlussendlich die Technik des Autos das Sagen hat. Wenn die Energierückgewinnung und das Laden der Batterie in den Vordergrund rückt hat das seiner Meinung nach „wenig mit dem reinen Formel-1-Fahren zu tun“. Er findet es nachvollziehbar, dass den Fahrern da die Lust und der Spaß verloren geht, wenn „das eigene Zutun nicht mehr im Vordergrund steht und man als Fahrer nicht mehr glänzen kann.“

Schon beim Start fehlte es manchen Fahrern an Batterie | © Bearne / XPB Images

Rennsport sieht anders aus

Surer zog einen Vergleich wie es sich heute für die Fahrer anfühlen muss, durch Eau Rouge zu fahren und gleichzeitig darauf zu achten noch genug Energie übrig zu haben:

So wie man früher mit dem Fiat 500 gefahren ist. Wenn es bergauf ging, musste man zurückschalten. Also so muss sich das anfühlen heute.

Der ehemalige Rennfahrer fand harte Worte zur aktuellen Energie-Situation. Für ihn war Spa die „schlimmste Strecke des Jahres“ was das Reglement anging. Für Monza gibt es vielleicht einen kleinen Lichtblick, denn: „Monza hat ja wenigstens Schikanen, wo sie hart bremsen müssen. Also da kann man wieder aufladen“, meinte Surer.

Eine Lösung für das Batterieproblem gibt es trotzdem nicht. Und darin sieht Surer ein großes Problem:

Es gibt auch keine Lösung, außer sie erlauben viel weniger elektrische Energie, dass die Batterie nicht so schnell leer wird. Auf der Geraden die Höchstgeschwindigkeit, die gemessen wurde, war 350 km/h auf der Kemmelgeraden. Aber anschließend ist nichts mehr da. Anschließend segelt er nur noch. Von dem her ist zwar die Beschleunigung unglaublich mit 1000 PS, aber wenn dann halt nach ein paar Sekunden nichts mehr kommt … Das ist nicht Rennfahren.

Muss die FIA etwas ändern?

Die Differenzen durch das Batterie-Deployment sind groß und können potentiell größer werden. Muss bzw. kann die FIA da überhaupt etwas machen?

Genau da sieht der ehemalige Rennleiter Wittich den Knackpunkt: Man kann nicht alles auf die FIA schieben. Auch wenn Spa da jetzt ein großes Ausrufezeichen gesetzt hat. „Das liegt natürlich auch an den Teams, weil diese ganzen Entwicklungen, das entscheidet nicht eine FIA, das entscheidet keine Formel 1, keine FOM. Da sitzen alle mit am Tisch und jeder muss da ein bisschen was dazu tun“, erklärte Wittich. Des Weiteren führte er aus, dass es durch den großen Wandel sowieso zu Kritik gekommen wäre. Ganz getreu dem Motto: Was der Bauer nicht kennt.

Dennoch ist es für ihn in der Sache des Hybridmotors klar: „Das ist eine Sache, da muss man ganz klar allen einen Vorwurf machen, und zwar der gesamten Formel 1, als Gesamtes, einfach zu sagen, da ist zu wenig entwickelt worden.“

Viva Las Vegas?

Gerade für Las Vegas sieht Wittich schwarz. „Und ich sag mal, wenn ich gerade Richtung Las Vegas gucke, was noch lange hin ist, aber das ist eine Highspeed-Strecke. Also ich möchte jetzt nicht wissen, wie die auf dem Strip da auf einmal quasi auf dem Strip drauffahren mit 1000 PS und nach der Hälfte von dem Las Vegas Trip sitzen sie da mit 500 PS da und jetzt mal in Formel-1-Speed gesprochen, rollen quasi dann in die nächste Kurve rein“, schimpfte er, „Da weiß ich nicht, wie das funktionieren soll.“

Und ich sage mal, dass die angekündigten Updates, das ist ja alles nach wie vor sehr, sehr homöopathisch. Da muss ein harter Cut her, meiner Meinung nach mittlerweile. Also ich habe mich ja immer sehr zurückgehalten die ersten Rennen und habe gedacht: ‘Naja, das entwickelt sich noch.’ Aber das stagniert eher zurzeit.

Für ihn ist klar: Die FIA hätte schon früher eingreifen müssen.

Surer rechnet mit Reglement ab

Der ehemalige Formel 1 Pilot kritisierte das neue Reglement stark. Als das neue Reglement beschlossen wurde, wollte man primär neue Hersteller in die Formel 1 locken. Diese Hersteller wollten Elektroautos, weil diese die Zukunft seien. Heute revidiert man diese Aussage wieder.

Man hat das Reglement so gemacht, dass es den Herstellern gefällt. Und das war der größte Fehler.

Gerade für die Fahrer ist die dreißigsekündige Elektropower ein großer Frust. Danach kommt nämlich einfach nichts mehr, da dann die Batterie leer ist. Man kann diese Power nicht für eine komplette Runde nutzen und die schnellste Rundenzeit ist in der Formel 1 nunmal entscheidend.

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Laura Schanz
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