Ein hochdramatischer Großer Preis von Brasilien bringt die Entscheidung in der Team-WM: Trotz Drehern und rätselhafter Fahrzeugprobleme im nassen Chaos von Sao Paulo macht Mercedes den vorzeitigen Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft perfekt.
Den Rennsieg sichert sich Lando Norris, der im turbulenten Reifen-Poker und bei späten Regengüssen die Nerven behält, während Max Verstappen eine spektakuläre Aufholjagd von P21 aufs Podest krönt und Ferrari an falschen Strategieentscheidungen scheitert.
Die Nässe erschwerte den Fahrern den Grand Prix in Sao Paulo. © Patching / XPB ImagesWeitere Strafen vor dem Rennstart in Sao Paulo
Neben dem bereits bekannten Strafenhagel des Wochenendes mussten auch Arvid Lindblad und Gabriel Bortoleto Startplätze einbüßen. Bortoleto hat einen Energiespeicher und eine Steuereinheit, die nicht mehr im Komponentenpool waren, ausgetauscht und damit 10 Plätze Strafe bekommen. Auch Lindblad hat eine 10-Platz-Strafe für den Austausch der ICE-Einheit und des Turboladers erhalten.
Die hinteren Startreihen in Sao Paulo waren somit eine Mischung aus jüngeren Fahrern und den Veteranen Max Verstappen, Lewis Hamilton und Sergio Perez, die das Rennen von ganz hinten starten mussten.
Für Nico Hülkenberg gab es schon vor dem Start Probleme. Der Deutsche hat die Anweisungen des Rennleiters zum Probestart missachtet.
Feuchter Start ins Rennen und schnelle Reifenwechsel
Pünktlich gab es die grüne Flagge, die den Start auf einer noch feuchten Strecke freigab. Die Fahrer hatten alle Intermediate-Reifen aufgezogen, und Fernando Alonso meldete, dass die Strecke in Sao Paulo trockener war als erwartet.
Beim Start ins Rennen auf der feuchten Piste in Sao Paulo verlor Polesitter Lando Norris direkt die Führung an Kimi Antonelli und fiel zunächst hinter Liam Lawson zurück. Während sich Max Verstappen und Lewis Hamilton durch das Feld arbeiteten, geriet Ferrari früh unter Druck.
Nach einem packenden teaminternen Duell in Runde 10, bei dem Charles Leclerc die Oberhand behielt, forderte Hamilton als einer der ersten Piloten den Wechsel auf Slicks. Während die Scuderia-Strategen am Kommandostand bremsen wollten, drängte der Brite vehement auf den Stopp. In Runde 16 holte Ferrari ihn schließlich für die Softs an die Box. Das Risiko zahlte sich jedoch langsam, aber sicher aus, und alle weiteren Fahrer folgten in die Box.
Mit den Stopps der Spitzengruppe überschlugen sich die Ereignisse: George Russell drehte sich bei der Boxenausfahrt und touchierte die Mauer leicht. Antonelli meldete Probleme mit seinem W17 und verließ die Strecke mehrfach kurzzeitig. Norris, der eine Runde früher auf Softs gewechselt war und die Reifen bereits auf Temperatur hatte, zog ohne Anstrengung vorbei. Antonelli kämpfte in der Folge ohne Grip und mit einem sich seltsam verhaltenden Wagen und verlor kurz darauf auch Platz zwei an Isack Hadjar.
Wo blieb der Regen?
Während Verstappen klagte, Heckabtrieb zu verlieren, geriet Antonelli weiter ins Hintertreffen und leistete sich erneut einen Dreher. Ferrari, das mit beiden Piloten abseits des Podiums lag, nahm bei Hamilton in Runde 40 den nächsten Stopp für rote Reifen vor. Nach weiteren Reifenwechseln an der Spitze übernahm Hadjar temporär die Führung, da Mercedes versuchte, Antonelli auf eine Ein-Stopp-Strategie zu setzen. Norris nutzte jedoch seine frischen Softs, holte sich die Führung zügig zurück und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus.
Ein bitteres Rennen erlebte Nico Hülkenberg, der nach einem harten Kampf im Mittelfeld wegen des Verlassens der Strecke und des Erlangens eines Vorteils eine 10-Sekunden-Zeitstrafe kassierte und dadurch aus den Punkterängen rutschte.
Gegen Ende des Rennens rüstete sich das Feld für die drohende nächste Regenfront in Sao Paulo. Antonelli stoppte schließlich doch erneut, während Russell angewiesen wurde, ihn auf P4 vorbeizulassen. Ferrari erlebte ein unauffälliges, aber eher schlechtes Rennen: Leclerc und Hamilton machten zwar Plätze gut, verharrten jedoch im hinteren Bereich der Top 10. In Runde 60 kam es schließlich zum teaminternen Platztausch, bei dem der auf einer alternativen Strategie fahrende Hamilton kampflos an Leclerc vorbeigewunken wurde, kurz bevor in Runde 60 die ersten leichten Regentropfen über Interlagos einsetzten.
Erneuter Regenschauer in Sao Paulo
In den Schlussrunden öffnete der Himmel über Sao Paulo endgültig seine Schleusen und löste in den Runden 62 bis 64 die nächste Stoppwelle aus. Während Hamilton durch ein zu langes Verbleiben auf Slicks wegrutschte und Boden verlor, sicherte sich Lando Norris mit dem richtigen Timing den Wechsel auf Intermediates. Trotz anfänglicher Reifentemperaturprobleme auf der feuchten Bahn fuhr der Brite den Sieg souverän mit rund 14 Sekunden Vorsprung ins Ziel.
Max Verstappen krönte eine spektakuläre Aufholjagd vom Startplatz 21 mit dem zweiten Rang, während Isack Hadjar auf P3 das Doppelpodium für Red Bull komplettierte. George Russell verpasste das Treppchen auf P4 knapp, da er, wie Teamkollege Antonelli, in der Schlussphase über mysteriöse Fahrzeugprobleme klagte. Charles Leclerc setzte sich im Kampf um P7 noch im Rad-an-Rad-Duell gegen Liam Lawson durch, während gegen Antonelli nach einem Zwischenfall mit Alpine in der Boxengasse eine Untersuchung wegen Unsafe Release eingeleitet wurde.
Konstrukteurstitel für Mercedes in der Tasche
Trotz eines eher unterwältigenden Rennens für Mercedes, in dem beide Fahrer mit Problemen, sowohl technischen als auch durch sich selbst verursachten, zu kämpfen hatten, konnten die Silberpfeile den Weltmeistertitel der Teamwertung in Sao Paulo sichern.
Das Ergebnis in Sao Paulo
| Platz | Fahrer | Team | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1. | Lando Norris | McLaren | |
| 2. | Max Verstappen | Red Bull | +14,602 |
| 3. | Isack Hadjar | Red Bull | +24.485 |
| 4. | George Russell | Mercedes | +33.991 |
| 5. | Kimi Antonelli | Mercedes | +36.017 |
| 6. | Oscar Piastri | McLaren | +56.475 |
| 7. | Charles Leclerc | Ferrari | +73.586 |
| 8. | Liam Lawson | Racing Bulls | +75.402 |
| 9. | Lewis Hamilton | Ferrari | +1 Runde |
| 10. | Nico Hülkenberg | Audi | +1 Runde |
| 11. | Arvid Lindblad | Racing Bulls | +1 Runde |
| 12. | Fernando Alonso | Aston Martin | +1 Runde |
| 13. | Franco Colapinto | Alpine | +1 Runde |
| 14. | Pierre Gasly | Alpine | +1 Runde |
| 15. | Alex Albon | Williams | +1 Runde |
| 16. | Gabriel Bortoleto | Audi | +1 Runde |
| 17. | Oliver Bearman | Haas | +1 Runde |
| 18. | Sergio Perez | Cadillac | +2 Runden |
| 19. | Carlos Sainz | Williams | +2 Runden |
| 20. | Rafael Camara | Haas | +2 Runden |
| 21. | Lance Stroll | Aston Martin | DNF |
| 22. | Valtteri Bottas | Cadillac | DNS |































