Das Rennwochenende der Formel 1 in Barcelona erzählte zahlreiche Geschichten. Vor allem das Ergebnis lässt viele Fragen offen.
Ist die Mercedes-Dominanz vorbei? War Barcelona ein Indikator für den Rest der Saison? Oder darf man das alles nicht überwerten? Unsere Erkenntnisse vom Rennwochenende.
Hamilton entwickelt sich zum ärgsten Verfolger von Kimi Antonelli. © IMAGO / PsnewZFerrari unterbricht Mercedes-Dominanz – Vasseur bremst
Die größte Story in Barcelona war ganz klar der Sieg von Lewis Hamilton. Der Brite feierte seinen ersten Sieg im Ferrari und bezeichnete diesen als einen Kindheitstraum.
Der Mann, der in den letzten Monaten und Jahren immer wieder kritisiert und als „washed“ abgestempelt wurde, unterbricht plötzlich die Mercedes-Dominanz. Doch auch wenn Hamilton eine überragende Leistung zeigte, scheint auch ein Philosophie-Wechsel bei Ferrari stattzufinden.
Plötzlich hört das Team auf seine Fahrer. Der Rekordweltmeister fühlte sich schon länger nicht wohl mit seinem Bremsen, doch erst vor wenigen Wochen wurde sein Vorschlag, eine andere Richtung einzuschlagen, akzeptiert.
Auch strategisch war das Team plötzlich auf der Höhe und lag mit einer mutigen Drei-Stopp-Strategie am Ende goldrichtig. Bei Ferrari scheint mittlerweile mehr zu entstehen, auch, weil die Updates funktionieren, was man primär an der Pace im letzten Stint bestaunen durfte.
Doch Fred Vasseur bremste nach dem Rennen in einer Medienrunde.
„Vor drei Wochen hast du mir noch gesagt, ich solle die Hälfte der Mannschaft entlassen. Und heute sind wir auch nicht Weltmeister. Du musst ruhig bleiben. Ich werde Österreich genauso angehen wie damals Barcelona.“
Und das wird die Marschroute in den nächsten Wochen sein. Man muss nicht nur den formschwachen Charles Leclerc wieder hinbekommen, damit man auch strategisch mehr Möglichkeiten hat, sondern das Team muss konstant zeigen, dass man mit dem unglaublich routinierten Mercedes-Team auch mal über eine längere Strecke mithalten kann.
Muss Toto Wolff bei Mercedes eingreifen? © IMAGO / ZUMA Press WireMercedes steht vor teaminternen Problemen in der Formel 1
Bei Mercedes hingegen gibt es mehrere Probleme, die dem großen Favoriten gerade das Leben schwer machen. Natürlich ist da zum einen die Zuverlässigkeit, die mittlerweile mehr und mehr zu wünschen übrig lässt.
George Russell fiel in Kanada aus, Kimi Antonelli jetzt in Barcelona. Mit dem Monaco‑GP, bei dem Russell durch ärgerliche Strafen aus den Punkten fiel, schaffte es seit drei Rennen in Folge nur ein Fahrer in die Punkte – zu wenig für das erfolgsverwöhnte Team.
Und dann gibt es da noch das teaminterne Problem, das durch die wiedererstarkten Ferraris zu einem echten Problem führen könnte. Denn der Kampf zwischen Antonelli und Russell kostete viel Zeit. Zeit, die Hamilton durch die Boxenstopps vor die Silberpfeile spülte.
Toto Wolff machte bereits klar, dass er sich die Situation nun genau anschauen wolle. Das könnte eine schlechte Nachricht für George Russell sein, der im Qualifying immer wieder Top-Leistungen zeigt, bei der Rennpace aber zurzeit deutlich hinter seinem Teamkollegen liegt. Wird Antonelli also bald bevorzugt?
Die Dominanz des Teams ist natürlich noch lange nicht vom Tisch, doch es ist das erste Wochenende mit größeren Fragezeichen. Mercedes hat zu kämpfen – gut für die Spannung in der Formel 1.
Bei Max Verstappen lief es auch am Wochenende nicht. © IMAGO / Marco CanonieroMcLaren und Red Bull auf der Suche nach der Pace
Zwei Teams, die sich auch gerne in die Ferrari-Richtung entwickelt hätten, sind McLaren und Red Bull. Die beiden Top-Teams haben große Ambitionen, auf der Strecke sieht man davon nicht viel.
Lando Norris holte mit dem dritten Platz eigentlich das Optimum raus. Seine Pace war gut, doch am Ende fehlt McLaren doch ein gutes Stück auf die Spitze. Währenddessen befindet sich sein Teamkollege weiter in einem Loch und fährt ein einsames Rennen ohne Hoffnung auf eine Top-Platzierung.
Ein einsames Rennen fuhr auch Max Verstappen. Er machte nach dem Rennen deutlich, dass man das Red-Bull-Problem nicht mit einem veränderten Set-up ändern könne, man müsse Leistung finden. Doch damit tut sich der Rennstall zurzeit mehr als schwer.
Zumindest kann Isack Hadjar phasenweise mithalten und macht von den Verstappen-Teamkollegen der letzten Jahre den besten Eindruck. Doch Red Bull will nach oben – doch der Berg an die Spitze ist riesig.
Nico Hülkenberg hadert mit sich und dem Team. © IMAGO / Marco CanonieroAudi hadert – für Alonso gibt es in der Formel 1 nur einen Ausweg
Während Alpine und die Racing Bulls weiterhin zeigen, dass sie die konstantesten Mittelfeldteams sind, hängt bei Audi wieder der Haussegen schief.
Dieses Mal konnte zwar weder das Team, noch Timo Hülkenberg etwas für den Ausfall des Deutschen, doch trotzdem passt es wieder ins Bild bei Audi.
Der Rennstall schafft es einfach nicht mehr in die Punkte, obwohl Wochenenden oft vielversprechend beginnen. Rang 9 für Hülkenberg in der Quali war ein Erfolgserlebnis, das Mut machte, aber im Rennen im Endeffekt nichts gebracht hat.
Über diese Probleme kann Fernando Alonso allerdings zurzeit nur lachen. Der Aston-Martin-Pilot wurde zum ersten Mal seit 42 Qualifying-Sessions wieder von Lance Stroll geschlagen und musste seinen Boliden im Rennen abstellen.
Der Spanier kokettiert mit einem Abschied. Entweder zu seinem Ex-Team Alpine oder ganz raus aus der Formel 1. Eigentlich ist Flavio Briatore sein einziger Ausweg, denn bei Alpine scheint es zu laufen. Eigentlich müssten sich beide Parteien jetzt nur einig werden, denn der Spanier wird sich dieses Drama sicher nicht länger antun wollen.
Das nächste Rennen findet in Spielberg statt. © IMAGO / Rolf PossSpielberg könnte Fragen beantworten und Erkenntnisse zementieren
Nun geht es am übernächsten Wochenende nach Spielberg. Auf dem Red-Bull-Ring werden die Lokalmatadoren allerdings Stand jetzt nichts mit dem Sieg zu tun haben.
Die spannendste Frage bleibt, wohin der Weg von Ferrari führt und wie Mercedes darauf reagieren wird. Eine Prognose kann man nicht wirklich geben, doch der Aufschwung der Scuderia bringt die Würze in die Formel 1, die man in dieser Saison lange vermisst hat.




































