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Podium wäre machbar gewesen: Wittich und Surer über Ferrari-Desaster

Ex-F1-Fahrer Marc Surer und Ex-Rennleiter Niels Wittich reagieren auf die große Ferrari-Fehlerkette aus Ungarn.

©Ferrari / CHAMP1

Obwohl Ferrari nach starken Trainingstagen die Favoritenrolle innehielt, begann das Unglück schon nach dem Qualifying. Das Rennen war für die Scuderia erneut eine Desaster-Class vom Feinsten. Der ehemalige Formel 1-Pilot Marc Surer und der Ex-Rennleiter Niels Wittich analysierten in Race Control, der Champ1-Expertenanalyse, wie Ferrari ein mögliches Podium wegschmiss.

Strafe Nummer 1 für Hamilton

Nach dem Qualifying heimste sich Hamilton eine Startplatzstrafe ein. Er behinderte Oscar Piastri deutlich auf dessen schnellen Runde. Sein Ingenieur teilte Hamilton zu spät mit, dass sich der McLaren auf einer Push-Lap befand. Als Konsequenz wurde der Ferraripilot drei Plätze nach hinten versetzt.

Für den ehemaligen Rennleiter Niels Wittich völlig unverständlich, dass Hamilton Piastri angeblich nicht hätte kommen sehen. „Außenspiegel haben sie immer noch, und das ist eine lange Start-Zielgerade. Da kann man schon sehen, wenn jemand anders kommt, dass der eine in der Aufbaurunde gewesen ist und er quasi seine schnelle Runde fertig gefahren hat“, meinte er, „Also ich sage immer, das, was man für sich selbst haben will, muss man den anderen Fahrern auch zustehen.“

Wittich ging sogar so weit, und behauptete, dass eine Strafversetzung von drei Plätzen sogar noch zu milde gewesen sei und die Stewards auch fünf Plätze hätten geben können.

5 Plätze hätte man machen können. Also hätte man nicht auf 3 gehen müssen. Was auch immer sie da gefunden haben als Ausrede, dass das mildernde Umstände gegeben hat. Ich denke, 5 wären da durchaus vertretbar gewesen.

Strategie-„Meister“klasse von Ferrari?

Man schickte beide Ferrari auf soften Reifen ins Rennen, da man im Qualifying einen Satz der gelben Mediums geopfert hatte. Marc Surer vermutete, dass der Ferrari am Sonntag auf den roten Reifen schlechter performte, weil sich die Temperatur verändert hatte. Freitags war es kälter im Vergleich zum Sonntag. „Ich habe das Gefühl, der Ferrari ging schlechter, weil es wärmer wurde. Das war kalt am Freitag, da hat der Ferrari dominiert. Und je wärmer es wurde, desto weniger schnell wurden sie. Also das heißt, die anderen haben nicht so gelitten mit der Temperatur wie Ferrari“, erklärte Surer seine Vermutung.

Nichtsdestotrotz konnte der ehemalige Formel 1-Fahrer nachvollziehen, dass es dem Team schwerfiel, eine Teamorder anzuordnen und den schnelleren Leclerc an Hamilton vorbei zu lassen. Gerade weil Hamilton in der Fahrerwertung der Weltmeisterschaft vorne liegt, sei eine solche Entscheidung immer schwieriger zu treffen, wenn der eigentlich führende Fahrer von beiden nicht der Schnellere ist.

Beide Ferrari während des Rennens in UngarnLeclerc steckte zunächst hinter seinem langsameren Teamkollegen fest | © Rew / XPB Images

Strafe Nummer 2 für Hamilton

Eine Strafe reichte dem Rekordweltmeister scheinbar nicht, denn er kassierte während des Rennens gleich die Nächste. Er war 0,1km/h zu schnell in der Boxengasse unterwegs. Dafür wurde er mit 5 Sekunden bestraft. Der ehemalige Rennleiter Wittich erklärte, dass Hamilton vermutlich nur ein kleines bisschen zu spät auf den Tempolimiter gedrückt haben muss. Natürlich sind 0,1km/h nicht viel, aber dennoch ist es ein Regelverstoß:

Es hört sich immer relativ gering an, aber die Regeln sind halt, wie sie sind. Da sind 80 erlaubt, und wenn man halt mehr als 80 fährt, das ist falsch. Die Regel kennt jeder.

Marc Surer meinte dazu, dass die 5-Sekunden-Strafe eine Folge des Boxenstopps unter dem Virtual Safety Car gewesen sein kann. Womöglich wäre das Podium möglich gewesen, wenn Ferrari Hamilton nicht an die Box geholt hätte. Aber „Hätte, hätte – Fahrradkette“ bringt Ferrari auch nicht weiter. Surer meinte abschließend, dass die steigende Temperatur der Endgegner der Scuderia gewesen sein wird.

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Laura Schanz
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