In der letzten Woche sprach Ex-Teamkollege Jenson Button über die großen Qualitäten von Rubens Barrichello.
Der Brasilianer war ein überragender zweiter Fahrer, für den ganz großen Wurf reichte es aber tragischerweise nie. Erst im Stock-Car-Bereich konnte er den großen Titeltraum erfüllen.
Barrichello hatte 1994 einen schweren Unfall. © IMAGO / ZUMA Press WireGedächtnisverlust bei Barrichello am Horror-Wochenende der Formel 1
Barrichello war in seiner Jugend wie nahezu alle großen Fahrer ein begeisterter Kartsportler. 1989 folgte der Wechsel in den Formelsport, wo er sich unter anderem durch die Formel 3, unter anderem gemeinsam mit Mika Häkkinen, kämpfte.
Nach guten Leistungen erhielt er 1993 einen Platz in der Formel 1 und durfte für Jordan an den Start gehen, hatte aber vor allem in der Debütsaison mit einem unzuverlässigen Auto zu kämpfen.
Die wohl auffälligste Szene seiner ersten Jahre in der Formel 1 war eine unschöne und ereignete sich am wohl schlimmsten Wochenende in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports.
Beim Training in San Marino 1994 krachte der Brasilianer in eine Streckenbegrenzung, verlor dabei das Bewusstsein und erlitt einen Nasenbruch. Doch er kam im Gegensatz zu zwei anderen Fahrern glimpflich davon. Roland Ratzenberger verstarb im Qualifying, Ayrton Senna im Rennen. Gegenüber pitlanechronicle sprach er im letzten Jahr über das Wochenende und die Folgen.
„Der Unfall war so heftig, dass ich mein Gedächtnis verloren habe. Ich erinnere mich nicht, auf dem Friedhof gewesen zu sein und Ayrtons Sarg getragen zu haben. Insofern denke ich, dass das positiv war, dass der Himmel meinen Kopf klärte und ich wieder ins Auto steigen konnte.“
Rubens Barrichello hatte neben Michael Schumacher nicht die einfachste Zeit. © IMAGO / EPASchumacher und Button triumphieren – Barrichello schaut zu
Und schnell wirkte es so, als wäre dieser Unfall nie passiert. Barrichello ließ sich nichts anmerken, war noch bis Ende 1996 für Jordan unterwegs, wechselte dann zu Stewart und konnte sich mit beachtlichen Leistungen ein Ferrari-Cockpit für die Saison 2000 sichern.
Dort war er der perfekte Teamkollege von Michael Schumacher. Beide sorgten dafür, dass die Scuderia fünfmal in Folge Konstrukteursweltmeister wurde. Das Problem: Der Brasilianer war die klare Nummer 2.
Auch aufgrund des Zustands von Schumacher will Barrichello heutzutage nicht mehr über diese Zeit reden. Doch für den Brasilianer waren es nicht die einfachsten Jahre neben dem großen Superstar.
Nach Schumachers erstem Abschied aus der Formel 1 war auch für Barrichello schnell Schluss bei Ferrari. Er wechselte zu Honda und wurde Teamkollege von Jenson Button, der erst kürzlich klarmachte, wie wichtig Barrichello für seine Teams war.
Nach einigen schwierigen Jahren gab es noch einmal die große Chance auf eine WM. Im Brawn-GP-Jahr war das Auto kaum aufzuhalten, doch wieder schaute Barrichello in die Röhre. Während Jenson Button zum ersten Mal Weltmeister wurde, musste der Brasilianer sogar Sebastian Vettel den Vortritt lassen und wurde nur WM-Dritter. Er blieb in der Formel 1 unvollendet.
Der Brasilianer hat in Brasilien sein Motorsportglück gefunden. © IMAGO / FotoarenaGroße Erfolge im Spätherbst
Denn auch bei seinen zwei Williams-Jahren konnte Barrichello nicht für Furore sorgen. 2012 machte der Brasilianer einen Abstecher in die Indycar-Serie, bevor er die Heimat fand, in der er seine größten Erfolge feiern konnte. Denn in der Formel 1 war kein Platz mehr.
„Dann bin ich zurück nach Brasilien gezogen, wo ich Stock Cars gemacht habe und seit 13 Jahren etwas fahre, von dem ich immer geträumt habe. Bevor ich nach Europa ging, habe ich die Stock Cars immer als etwas ganz Besonderes betrachtet. Und dieses Jahr fahre ich auch NASCAR Brazil, eine neue Serie. Ich qualifizierte mich für die Weltmeisterschaft im Go-Kart in Bahrain am Jahresende. Also, ich bin sehr aktiv.“
In der Stock-Car-Serie in Brasilien wurde er 2014 zum Meister, in der Stock-Car-Pro-Series durfte er 2022 den Titel bejubeln. Mit über 50 Jahren macht Barrichello heute noch das, was er liebt, und das auch noch erfolgreich.
„Ich war 39, als ich die Formel 1 beendete, und die Leute sagten: ‚Okay, er muss niemandem etwas beweisen, also kann er jetzt aufhören.‘ Und dem war nicht so. Ich genieße einfach das Racing, das ist alles.“
Barrichello hat seinen Frieden gefunden. Eine unvollendete Formel-1-Karriere hat die Ferrari-Ikone nicht daran gehindert, weiterhin den Motorsport zu lieben.


































