Beim Großen Preis von Mexiko überschlugen sich am Rennwochenende bei Haas die Ereignisse. Nach einer angeblichen Eskalation zog Teamchef Ayao Komatsu die Reißleine und setzte Esteban Ocon vor dem dritten Training auf die Ersatzbank. Für ihn übernahm der Reservefahrer Ryo Hirakawa.
Marc Surer blickt aus eigener Perspektive auf den Haas-Eskalationsfall um Esteban Ocon. Während Fahrerlager und Medien den Eklat in Mexiko scharf verurteilen, ordnet der Schweizer Experte die Geschehnisse in Race Control, der Champ1 Analyse, differenziert ein.
Reservefahrer Ryo Hirakawa übernahm den Haas von Esteban Ocon in Mexiko. © Batchelor / XPB ImagesWar Ocon frech in Mexiko?
Der Rauswurf mitten am Rennwochenende kam überraschend. Für Surer war der Streit um die Reifen im zweiten freien Training jedoch nur der Auslöser, nicht die Ursache:
Wie gesagt – für mich – dass die Reifen jetzt schuld sind, die er im Volltanktest fahren musste, das war eigentlich nur das, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Aber da muss schon vorher Knartsch im Team gewesen sein. Und wenn er tatsächlich schon einen Vertrag hat mit Aston Martin, dann hat ihn das vielleicht auch ein bisschen frecher werden lassen. Wenn er weiß, „Ich bleibe in der Formel 1, zwar als Ersatzfahrer, aber ich habe bereits wieder eine Möglichkeit, um Testfahrten zu machen“. Vielleicht hat ihn das dann auch ein bisschen bestärkt, indem er sich eben mit dem Team ein bisschen angelegt hat.
Esteban Ocon konnte in Ungarn 2021 einen Rennsieg für Alpine einfahren. © Charniaux / XPB ImagesLob für eine Dekade in der Formel 1
Bereits bei Alpine trennten sich die Wege vorzeitig. Vor dem Finale 2024 verzichtete Ocon auf das Rennen in Abu Dhabi, um früher mit Haas zu testen. Auf den Vergleich beider Fälle und die Frage nach Ocons Charakter reagiert Surer gelassen und betont, dass es sich um zwei verschiedene Situationen handle.
Das macht keiner, freiwillig einen Fahrer während des Wochenendes rausschmeißen. Da muss schon was vorgefallen sein. Vielleicht ist Ocon halt hinter den Kulissen ein bisschen aggressiv. Wer weiß. Also seine ehemaligen Kollegen, die mit ihm gefahren sind, die haben alle eigentlich kein gutes Verhältnis zu ihm. Also von dem her muss es schon ein bisschen schwierig sein. Aber ich liebe ihn – ich mag ihn – so muss ich sagen, weil er einer ist, der es mit Ach und Krach in die Formel 1 geschafft hat. Seine Familie hat das Haus verkauft, dass er Formel 3 fahren konnte. Also es ist schon toll, dass so jemand es dann schafft, auch 10 Jahre in der Formel 1 zu bleiben. Das ist ja auch ein sehr großes Plus. Das zeigt ja auch, wie gut er war. Und da hat er auch ein Rennen gewonnen, nicht vergessen.
Ob der Vorfall um Ocon das Klima bei Haas dauerhaft belastet, wird sich bei den nächsten Rennen zeigen.































