In Race Control, der Champ1-Expertenanalyse, rechneten Marc Surer und Niels Wittich Mercedes wenig Chances aus, dass die FIA dem Right to Review, George Russells Strafen beim Großen Preis von Monaco erneut zu überprüfen, stattgeben wird.
Letzte Woche gaben die FIA und Alpine in einem Statement bekannt, dass die Strafen zurückgezogen wurden und Gasly somit rückwirkend auf Platz 3 hochgestuft wurde. Einigen Teams gefiel das gar nicht. So legten unter anderem McLaren und Red Bull Einspruch gegen die Entscheidung der FIA ein. Mercedes Teamchef Toto Wolff möchte derweil sein Glück versuchen und ebenfalls gegen die 5-Sekunden- und die Durchfahrtsstrafe Russells vorgehen.
Gasly kann jubeln: Er wird nachträglich Dritter in Monaco | © IMAGO / ZUMA Press WireWie hoch sind die Erfolgschancen für Mercedes?
„Unrealistisch,“ sagte Marc Surer, „sie haben ja nicht protestiert nach Monaco.“
Die denken jetzt einfach „Oh, wir haben da was verpasst, jetzt holen wir das nach“
Auch der ehemalige Rennleiter Niels Wittich rechnete Mercedes wenig Erfolg aus. „Es gibt ein 96-Stunden-Limit [um solche Anträge einzureichen] für nach dem Ende des Rennens und da sind wir weit drüber was das Thema Monaco anbelangt“, erklärte Wittich.
Noch dazu kommt, dass Mercedes neue Beweise vorlegen muss, die bestätigen, Russells Strafen seien Fehler einer Messungenauigkeit. Denn genau die Beweise der ungenauen Messungen legte Alpine bereits vor. Welche neuen Beweise Mercedes der FIA noch vorlegen könne, überfragte sogar den Ex-Rennleiter: „Da bin ich ehrlich gesagt etwas überfragt, was da die Juristerei im Hause Mercedes sich ausgedacht hat, wo die Reise hingehen soll.“
Kein Copy-Paste für Mercedes möglich
Mercedes kann nicht einfach hingehen und der FIA die gleichen Beweise vorlegen, die auch Alpine für ihren Antrag nutzte. Wittich sagte dazu:
Sonst wäre es ja leicht, dann könnte jeder kopieren was der andere gesagt hat und dann hat man am Ende gar keinen Schuldigen mehr.
Wittich räumte ein, dass der Fall zwar ungewöhnlich sei, aber es sei trotzdem schwierig mit neuen handfesten Beweisen den Antrag zu stützen.
Können Russells Strafen einfach abgezogen werden?
„Nein, das geht natürlich nicht so einfach,“ machte Niels Wittich deutlich. Da Russell jedoch eine Durchfahrtsstrafe bekam, ließe es sich nicht pauschal sagen, wie viele Sekunden man dafür rechnen könne.
„Im Fall von Pierre Gasly war es relativ einfach, weil er die 5 Sekunden bzw. die 10 Sekunden gesamt einfach aufaddiert bekommt. Insofern kann man sie danach relativ schnell wieder quasi abziehen von der Zeit, dann passt wieder alles,“ erklärte Wittich. „Das wäre eine einfache Sache, wenn die Strafe quasi in den letzten 3 Runden gekommen wäre, man hätte gesagt ‚okay, ich nehme die nicht mehr, die Drive-Through, weil die 20 Sekunden sind kürzer als ein Durchfahrt durch die Boxengasse‘. Gibt es ja manchmal, je nachdem wie lang die Boxengasse ist, dann hätte man es wieder rausrechnen können,“ führt er weiter aus.
McLaren und Red Bull wollen gegen die Entscheidung der FIA vorgehen
Es wurde bestätigt, dass sowohl McLaren als auch Red Bull gegen die Entscheidung der FIA vorgehen wollen und offiziell Beschwerde eingelegt haben.
Aufgrund der Streichung Gaslys Strafen, verlor Red Bulls Isack Hadjar sein Podium in Monaco. Auch McLarenpilot Oscar Piastri verlor durch das wiederhergestellte Podium Gaslys eine Position.
McLaren äußert sich wie folgt in einem Statement:
„McLaren Racing bestätigt, dass das Team beim Internationalen Berufungsgericht der FIA formell Berufung gegen die folgenden Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Großen Preis von Monaco 2026 eingelegt hat: Dokument 99 der Rennkommissare; Dokument 100 (überarbeitetes endgültiges Rennergebnis); Dokument 101 (überarbeiteter Meisterschaftspunktestand).“
Das Statement beginnt mit: „Auch wenn wir die juristischen Verfahren der FIA und die Rolle der Rennkommissare voll und ganz respektieren, sind wir der Ansicht, dass dieser Fall wichtige Fragen hinsichtlich der sportlichen Fairness, der Konsistenz der Reglementierung und der Integrität des Wettbewerbs aufwirft.“
McLaren betont außerdem: „Während des gesamten Wochenendes des Großen Preises von Monaco – und bei jeder anderen Veranstaltung – handelten alle Teams im Einklang mit dem Reglement und den etablierten Standardverfahren hinsichtlich der zum damaligen Zeitpunkt geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung in der Boxengasse. Die Wettbewerber passten ihre Abläufe entsprechend an und akzeptierten sowie verbüßten – wo erforderlich – die auf der Grundlage dieser Vorschriften verhängten Strafen.“
Piastri saß seine 5-Sekunden-Strafe in Monaco regelkonform ab | © IMAGO / Alessio de MarcoDes Weiteren heißt es im Statement: „Unserer Ansicht nach führt die nachträgliche Aufhebung von Strafen zu einer Situation, in der einige Wettbewerber benachteiligt werden, obwohl sie regelkonform und im Einklang mit den Entscheidungen der Rennkommissare gehandelt haben. Ein solches Ergebnis birgt die Gefahr sportlicher Ungerechtigkeit und untergräbt das Vertrauen in die konsequente Anwendung des FIA-Sportreglements.“
„Unsere Entscheidung, Berufung einzulegen, richtet sich nicht gegen einen bestimmten Konkurrenten. Vielmehr spiegelt sie unsere Überzeugung wider, dass die Meisterschaft von Regeln profitiert, die auf alle Teilnehmer konsequent, transparent und fair angewendet werden,“ stellt das britische Team klar.
„McLaren setzt sich weiterhin dafür ein, konstruktiv mit der FIA, der Formel 1 und den anderen Wettbewerbern zusammenzuarbeiten, um die Integrität des Sports zu wahren und das Vertrauen in dessen Regelwerk zu erhalten.“
Eine Reaktion der FIA auf die Beschwerden gibt es bisher noch nicht. Es bleibt also abzusehen, ob die Teams Erfolg haben werden und wann die finale Rennklassifikation von Monaco feststehen wird.































