Bevor wir auf das Sprint-Qualifying des Kanada-GP schauen, müssen wir einen Blick auf das erste (und einzige) freie Training für den Großen Preis von Kanada werfen. Denn dort gab es schon einige Zwischenfälle, mit direkten Auswirkungen auf das Sprint-Qualifying.
Fehlstart für Colapinto und Lawson
Schon nach nur vier Minuten bleibt bei Franco Colapinto das Gaspedal stecken. Er schaffte es dennoch, die Strecke zu verlassen und löste somit keine größere Unterbrechung aus. Vorbei war das erste freie Training für ihn ab diesem Zeitpunkt dennoch.
Doch nach den ersten zwölf Minuten gab es dann die erste rote Flagge: Liam Lawsons Servolenkung fiel aus und er kam am Streckenrand zum Stehen. Da er es nicht mehr selbstständig die Box schaffte, musste er seinen Boliden zurücklassen. Die Session wurde für die Bergung des Racing Bull für etwa vier Minuten unterbrochen. Da es in Kanada aufgrund des Sprints nur ein freies Training gab, entschied die Rennleitung, die verlorenen Minuten an das Training ranzuhängen.
Murmeltier bremst Albon heftig aus
Und die nächste rote Flagge ließ nicht lange auf sich warten: Alex Albon crashte am Ausgang von Kurve 7. Was kurz nach einem groben Fahrfehler aussah, stellte sich am Ende als unglücklicher Zufall heraus. Während Albon gerade aus der Kurve herauskam, kreuzte zeitgleich ein Murmeltier die Strecke. Albon konnte nicht rechtzeitig ausweichen, traf das Murmeltier und schlug links heftig in die Wand ein. Er kam auf der Geraden zum Stehen und musste abgeschleppt werden. Dieser Zwischenfall löste eine Unterbrechung von rund 15 Minuten aus, die ebenfalls an das Training angehängt wurden.
Ocon sorgt für Schrott auf der Strecke und Ampel-Ärger
Esteban Ocon, der nach übereinstimmenden Medienberichten bei Haas so oder so schon angezählt ist, löste rund fünf Minuten vor Schluss die letzte rote Flagge aus. Er verlor nach Kurve 4 das Auto, drehte sich und schlug mit der Nase in die Streckenbegrenzung ein. Ocon konnte zwar weiterfahren, aber durch die verteilten Teile auf der Strecke musste das Training dennoch unterbrochen werden. Nach dem Training folgte dann die nächste Hiobsbotschaft für den Franzosen: Ocon soll die Boxengasse trotz roter Ampel verlassen haben.
Nach einer Vorsprache bei den Stewards wurde aber von einer Strafe abgesehen. Laut den Stewards habe Ocon zwar die rote Ampel überfahren, da er aber zu dem Zeitpunkt, an dem die Ampel auf Rot schaltete, schon so nah dran war, konnte er den Wechsel von Grün auf Rot wohl nicht mehr sehen.
Mercedes-Dominanz im Training: Antonelli fliegt vorneweg
Antonelli führte am Ende das erste freie Training vor George Russell an. Doch der Unterschied zum drittplatzierten Lewis Hamilton war riesig. Ganze +0.774 lag der zweitschnellste Mercedes vor Lewis Hamilton. Die Mercedes-Updates scheinen für beide Fahrer äußerst gut zu funktionieren.
Sprint Qualifying
SQ1 – Ausgedünntes Feld und Fahrfehler von Alonso
Das Sprint-Qualifying begann gleich mit zwei Fahrern weniger, als ursprünglich gedacht. Denn der Bolide von Alex Albon war nach dem Zusammenstoß mit dem Murmeltier und der anschließenden Kollision mit der Wand so stark beschädigt, dass man das Auto zum Sprint-Qualifying nicht mehr rechtzeitig reparieren konnte. Auch Liam Lawsons mutmaßliche Hydraulikprobleme konnten nicht mehr rechtzeitig behoben werden, sodass auch er aussetzen musste.
Lawson und Albon während des ersten freien Trainings. | ©IMAGO / Alessio de MarcoDie erste Phase des Sprint-Shootouts brachte erstmal keine all zu großen Überraschungen im Feld mit sich. Doch mit noch 1:46 Minuten auf der Uhr, crashte Fernando Alonso auf kuriose Weise: Er verbremste sich, woraufhin seine Reifen blockierten, und schoss geradeaus in die TECPRO-Barriere. Er gestand seinen ungewöhnlichen Fehler aber sofort ein. Die Bergung des Autos und die Reparatur der TECPRO-Barrier dauerten dennoch rund 15 Minuten.
Das große Boxengassen-Wettrennen gegen die Uhr
Um 16:59 Ortszeit wurde die Session fortgesetzt. In der Boxenausgasse spielten sich aufgrund dessen interessante Szenen ab: Rund die Hälfte aller Fahrer stellen sich nochmal auf, in der Hoffnung, sich noch rechtzeitig über die Ziellinie zu retten, um eine letzte schnelle Runde zu fahren. Das ganze war ein Wettrenen gegen die Zeit. Gelungen ist das am Ende aber nur Lewis Hamilton, Carlos Sainz und Lance Stroll. Verbessern konnte sich allerdings keiner mehr.
Alonso schaffte es, sich trotz seines Crashs noch ins SQ2 auf Platz 16 zu retten. Weiterfahren konnte er nach diesem Crash allerdings nicht mehr. Am Ende von SQ1 scheiden aus: Valtteri Bottas als Schlusslicht auf P20, hinter Pierre Gasly, Lance Stroll und Sergio Peréz.
SQ2 – Ruhiger Durchgang und spätes Hülkenberg-Pech
Das SQ2 hingegen lief deutlich ereignisloser ab. Die Postionen waren klar verteilt. Alonso bildete aufgrund seines Ausfalls auf P16 das Schlusslicht der zweiten Gruppe.
Lange sah es für die deutschen Fans so aus, als könnte Nico Hülkenberg es in die Top Ten schaffen. Doch Carlos Sainz schob ihn als allerletzter Fahrer auf der Strecke wieder auf seinen alten Dauer-Platz zurück: P11.
Ausgeschieden nach SQ2: Alonso, Bearman, Ocon, Colapinto, Bortoleto und Hülkenberg.
SQ3 – Mercedes-Festspiele, McLaren lauert
Auch im SQ3 blieben die ganz großen Überraschungen aus, dennoch verblüffte Rookie Arvid Lindblad mit der Startposition neun für den Sprint. Auch Carlos Sainz auf P10 zählt nicht zu den Dauergästen in den Top Ten. Doch vor den beiden „Exoten“ waren die Rollen klar verteilt: George Russell sicherte sich überraschend die Pole-Position vor WM-Leader Kimi Antonelli.
Die Sprint-Pole-Position ist eine Erlösung für George Russell. | ©IMAGO / Every Second MediaDen Mercedes folgen beide McLaren mit Norris auf P3 und Piastri auf P4. Den McLaren atmen jedoch die Ferraris in den Nacken: Auf P5 und P6 sind die Chancen hoch, dass sie beim Start wieder weit nach vorne kommen. Dahinter folgen beide Red Bulls auf P7 und P8 – Isack Hadjar konnte am heutigen Freitag nach dem Miami-Desaster wieder bei Max Verstappen mithalten.
Die Sprint-Qualifying-Zeiten im Überblick:
| Fahrer | Team | Zeit | Abstand |
|---|---|---|---|
| George Russell | Mercedes | 1:12.965 | |
| Kimi Antonelli | Mercedes | 1:13.033 | +0.068 |
| Lando Norris | McLaren | 1:13.280 | +0.315 |
| Oscar Piastri | McLaren | 1:13.299 | +0.334 |
| Lewis Hamilton | Ferrari | 1:13.326 | +0.361 |
| Charles Leclerc | Ferrari | 1:13.410 | +0.445 |
| Max Verstappen | Red Bull | 1:13.504 | +0.539 |
| Isack Hadjar | Red Bull | 1:13.605 | +0.640 |
| Arvid Lindblad | Racing Bulls | 1:13.737 | +0.772 |
| Carlos Sainz | Williams | 1.14.536 | +1.571 |
| Nico Hülkenberg | Audi | 1:14.595 | – |
| Gabriel Bortoleto | Audi | 1:14.627 | +0.032 |
| Franco Colapinto | Alpine | 1:14.702 | +0.107 |
| Esteban Ocon | Haas | 1:14.928 | +0.333 |
| Oliver Bearman | Haas | 1:15.305 | 0.710 |
| Fernando Alonso | Aston Martin | – | – |
| Sergio Pérez | Cadillac | 1:16.002 | – |
| Lance Stroll | Aston Martin | 1:16.354 | +0.352 |
| Pierre Gasly | Alpine | 1:16.642 | +0.640 |
| Valtteri Bottas | Cadillac | 1:16.866 | 0.864 |
| Alexander Albon | Williams | – | – |
| Liam Lawson | Racing Bulls | – | – |
Quelle: Formula 1




































